onkelguido.de https://onkelguido.de/maerchen/ Sun, 24 May 2026 07:50:47 +0000 de-DE hourly 1 Hänsel & Gretel und die kleine Fee https://onkelguido.de/maerchen/eine-kleine-fee-rettet-haensel-gretel/ https://onkelguido.de/maerchen/eine-kleine-fee-rettet-haensel-gretel/#comments Wed, 07 Dec 2022 00:43:00 +0000 Märchen https://onkelguido.de/maerchen/eine-kleine-fee-rettet-haensel-gretel/ Weiterlesen

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In dieser alternativen Version des Märchens Hänsel und Gretel treffen die beiden auf eine kleine Fee. Ob die Fee die zwei Kinder wohl vor der bösen Hexe beschützen kann? Finden wir es gemeinsam heraus!

Hör dir die Geschichte jetzt kostenlos an … oder scroll weiter runter, wenn du sie selbst (vor)lesen willst!

...

Es war einmal ein Geschwisterpaar namens Hänsel und Gretel, das in einem Land mit dunklen Wäldern und verwünschten Schlössern lebte.

Hänsel und Gretel waren sehr arm und lebten mit ihrer Stiefmutter und ihrem Vater in einem kleinen, heruntergekommenen Haus.

Eines Tages beschloss die Stiefmutter, die Kinder tief in den Wald zu bringen und sie dort zurückzulassen.

Sie sagte, sie könnten es sich nicht mehr leisten, sie zu ernähren, aber in Wirklichkeit war die Stiefmutter eifersüchtig darauf, wie viel Liebe und Aufmerksamkeit ihr Vater den Kindern schenkte.

Hänsel und Gretel hatten Angst und wollten nicht im Wald zurückgelassen werden, aber sie hatten keine andere Wahl.

Also begannen sie zu wandern, hielten sich an den Händen und versuchten, tapfer zu bleiben.

Früher oder später mussten sie ja aus dem Wald herausfinden.

Nachdem sie eine Weile spaziert waren, trafen sie auf eine wunderschöne Fee namens Luna.

Luna war freundlich und sanft, hatte langes, wallendes Haar und ein glitzerndes Kleid.

Als die kleine Fee Hänsel und Gretel entdeckte, sprach sie die beiden direkt an: „Hallo, Kinder. Warum seid ihr hier draußen ganz allein?“

Hänsel und Gretel erzählten Luna ihre Geschichte.

Luna war voller Traurigkeit und Wut.

Sie schnaufte einmal laut und sagte dann: „Das ist eine schreckliche Sache, die eure Stiefmutter euch angetan hat. Aber macht euch keine Sorgen, ich werde euch helfen. Ich werde euch durch den Wald führen und euch vor allen Gefahren beschützen.“

Hänsel und Gretel waren dankbar für Lunas Hilfe und folgten ihr durch den Wald.

Dabei sangen sie lustige Lieder, erzählten sich Witze und Luna erklärte den beiden Kinder die verschiedenen Bedeutungen der Blumen, die sie auf dem Weg fanden.

Hänsel und Gretel lernten eine Menge, denn Luna zeigte ihnen auch noch, wie sie Nahrung und eine Unterkunft finden und die Gefahren des Waldes vermeiden können.

Aber die größte Gefahr, die ihnen drohte, war eine böse Hexe, die in einem mit Süßigkeiten bedeckten Haus im Herzen des Waldes lebte.

Und so kam es, wie es kommen musste.

Die Hexe hatte von Hänsel und Gretel gehört und wollte sie einfangen.

Plötzlich gab es nur einen Weg durch den Wald, sie konnten weder rechts noch links abbiegen.

Es ging nur noch gerade aus.

„Mist“, sagte Luna, „die Hexe hat den Wald verhext und wir laufen ihr direkt in die Falle“.

Luna schnaufte erneut laut.

 „Habt keine Angst, die wird ihr blaues Wunder erleben, wenn ich mit ihr fertig bin“, sagte sie dann als sie die besorgten Gesichter der Kinder sah.

Als Luna, Hänsel und Gretel beim Haus der Hexe ankamen, wartete die Hexe schon auf sie.

„Ah, da seid ihr ja, meine Kleinen. Kommt rein und nehmt euch ein paar Süßigkeiten. Ich verspreche, sie sind köstlich.“

Dann kicherte sie ein böses Lachen.

Aber Luna wusste, was die Hexe vorhatte und sagte: „Nein, wir gehen nicht hinein. Wir wissen, was du geplant hast und wir werden nicht zulassen, dass du uns wehtust.“

Da wurde die Hexe wütend und versuchte, Hänsel und Gretel zu fangen, aber Luna setzte ihre Magie ein, um sie zu schützen.

Die Hexe wurde von einem hellen Licht umhüllt, machte einen unfreiwilligen Salto und landete dann auf ihrem Hintern.

Doch Luna war noch nicht fertig.

Jetzt wurde das ganze Süßigkeitenhaus von dem hellen Licht umhüllt, wackelte kurz und verwandelte sich in stinkigen Käse.

„So fertig. Mit einem Stinkekäse-Haus geht dir kein Kind mehr in die Falle“, sagte Luna und drehte sich zu Hänsel und Gretel um.

Die zwei Kinder klatschten, hielten sich dann aber schnell die Nase zu – der Käse war wirklich sehr stinkig.

Also gingen die drei schnell weiter und ließen die Hexe mit ihrem Stinkekäsehaus hinter sich zurück.

„Danke, dass du uns vor der Hexe beschützt hast“, sagte Gretel, nachdem sie ein paar Minuten gegangen waren und es endlich wieder nach Wald und Blumen roch.

„Na klar, wenn man jemandem helfen kann, dann sollte man das auch machen … Aber das war ganz schön anstrengend, sag’ ich euch. Kommt, wir suchen uns einen schönen Schlafplatz. Und morgen kümmern wir uns um eure Stiefmutter.“

Hänsel und Gretel waren auch schon ganz müde und stimmten gähnend zu.

Dann machten sie es sich unter einem bequemen Baum gemütlich.

„Gute Nacht, Hänsel. Gute Nacht Gretel“

„Gute Nacht, Luna“

Und dann schliefen sie alle drei zufrieden ein.

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Cinderella & der Drache https://onkelguido.de/maerchen/cinderella-der-drache/ https://onkelguido.de/maerchen/cinderella-der-drache/#comments Mon, 05 Dec 2022 16:39:00 +0000 Märchen https://onkelguido.de/maerchen/cinderella-der-drache/ Weiterlesen

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In dieser Geschichte, die auf dem Märchen Aschenputtel beruht, geht es um eine junge Frau, die einen Weg sieht, um ihre Sorgen für einen Abend zu vergessen. Oh, und ein Drache kommt auch vor. Viel Spaß!

Es war einmal ein junges Mädchen namens Cinderella, das in einem fernen Königreich lebte.

Cinderella war eine freundliche und sanfte Seele, aber sie lebte kein schönes Leben, denn ihre Stiefmutter und ihre Stiefschwestern behandelten sie wie eine Dienerin und ließen sie alle schweren Arbeiten im Haus verrichten.

Eines Tages kündigten der König und die Königin an, dass sie einen großen Ball veranstalten würden, zu dem alle heiratsfähigen jungen Damen des Königreichs eingeladen waren. 

Cinderellas Stiefschwestern waren überglücklich und verbrachten den ganzen Tag mit den Vorbereitungen für den Ball.

Sie suchten sich ihre Kleider aus, berieten sich über ihre Frisuren und planten ihr Make-Up.

Cinderella aber war traurig, denn sie wusste, dass sie nicht zum Ball gehen durfte.

Sie versuchte, ihre Traurigkeit zu verbergen, aber die Stiefschwestern bemerkten es.

„Warum sieht du so unglücklich aus, Cinderella?“, fragte eine der Stiefschwestern spöttisch, „du bist doch nicht etwa traurig, weil du nicht zum Ball gehen darfst?“

„Natürlich nicht“, log Cinderella, „ich freue mich für euch beide.“

Cinderellas gute Fee, die aus der Ferne über sie gewacht hatte, hatte Mitleid mit dem armen Mädchen.

Sie erschien vor Cinderella und sagte: „Verzweifle nicht, meine Liebe. Ich werde dafür sorgen, dass du auf den Ball gehst und deinen Prinzen triffst.“

Mit einem Schwung ihres Zauberstabs verwandelte die gute Fee Cinderellas zerlumpte Kleider in ein wunderschönes Kleid und ihre alten Pantoffeln in ein Paar funkelnde Glasschuhe.

Sie verwandelte auch einen Kürbis in eine goldene Kutsche und Mäuse in Pferde.

„Aber du musst bis Mitternacht zurück sein, sonst wird der Zauber rückgängig gemacht“, warnte die gute Fee Cinderella.

Cinderella nickte und verstand, wie wichtig die Anweisungen der guten Fee waren.

Sie kletterte in die goldene Kutsche und machte sich auf den Weg zum Ball.

Doch als Cinderella auf dem Weg zum Ball war, tauchte wie aus dem Nichts ein grimmiger Drache auf und versperrte ihr den Weg.

Der Drache spuckte Feuer und drohte, Cinderella und ihre Kutsche zu Asche zu verbrennen.

Cinderella hatte zwar große Angst, aber sie wusste, dass sie schnell handeln musste.

Sie erinnerte sich an den Rat, den ihre gute Fee ihr gegeben hatte: „Sei mutig, sei freundlich und gib die Hoffnung nie auf.“

Mit diesen Worten im Kopf nahm Cinderella ihren Mut zusammen und stellte sich dem Drachen entgegen.

Sie sprach mit ruhiger und besänftigender Stimme zu dem Drachen und der Drache, überrascht von ihrer Freundlichkeit, hörte ihr zu.

„Bitte, lass mich vorbei“, sagte Cinderella zu dem Drachen, „ich bin auf dem Weg zum Ball, um für eine Nacht mein schreckliches Leben zu vergessen und vielleicht den Prinzen kennenzulernen.“

Der Drache war gerührt von Cinderellas Geschichte und beschloss, ihr zu helfen.

„Na gut, steig auf“, sagte der Drache.

Der Drache flog Cinderella zum Ball und landete vor dem Palast.

„Ich bin dankbar für deine Hilfe“, sagte Cinderella zu dem Drachen, „aber bitte, mach keinen Ärger auf dem Ball. Der Prinz und seine Gäste dürfen nicht verängstigt werden.“

Der Drache, der sich bei Cinderella für ihre Freundlichkeit revanchieren wollte, stimmte ihrer Bitte zu.

Er blieb brav vor dem Schloss, um über Cinderella zu wachen und dafür zu sorgen, dass sie in Sicherheit war.

Als Cinderella auf dem Ball ankam, war der Prinz sofort von ihrer Schönheit und Anmut angetan.

Er forderte sie zum Tanz auf und sie tanzten und lachten die ganze Nacht zusammen und Cinderella fühlte sich glücklicher als je zuvor.

Sie verschwendete keinen Gedanken an ihre bösen Stiefschwestern und genoss einfach den Moment.

Doch als die Uhr Mitternacht schlug, wurde Cinderella klar, dass sie den Ball verlassen musste, da sonst der Zauber enden und der Prinz sie in ihren lumpigen Kleidern sehen würde. 

Sie floh vom Ball, aber ließ einen ihrer Glaspantoffeln zurück.

Der Prinz suchte im ganzen Königreich nach dem Mädchen, dem der Glaspantoffel passte, und kam schließlich zu Cinderellas Haus.

Die Stiefschwestern versuchten zwar, ihre Füße in den Glaspantoffel zu zwängen, aber er war zu klein.

Cinderella, die sich versteckt hatte, trat vor und probierte den Glaspantoffel an.

Er passte perfekt und der Prinz wusste, dass sie das Mädchen war, das er gesucht hatte.

„Du bist das schönste und netteste Mädchen, das ich je getroffen habe“, sagte der Prinz zu Cinderella, „willst du mich heiraten und meine Königin werden?“

„Nein, das geht mir viel zu schnell. Wir kennen uns doch gar nicht?!“, sagte Cinderella und zog eine Augenbraue hoch.

Der Prinz war von dem Moment an in Cinderella verliebt, als er sie auf dem Ball sah, aber sie zögerte anfangs, ihm zu vertrauen.

„Ich weiß, dass ich dich erst gestern Abend kennengelernt habe, aber ich habe das Gefühl, dass ich dich schon mein ganzes Leben kenne“, sagte der Prinz zu Cinderella.

„Bitte, gib mir eine Chance, dir meine Liebe zu beweisen.“

Obwohl Cinderella zunächst zögerte, willigte sie schließlich ein, sich mit dem Prinzen zu verabreden.

Sie gingen in den Gärten spazieren, ritten auf Pferden durch die Wälder und tanzten auf Bällen.

Erzeigte ihr sein ganzes Königreich und teilte alles mit ihr.

Oh, und natürlich zeigte sie ihm auch den Drachen.

Der Prinz war sehr beeindruckt davon, dass Cinderella ein wilden Drachen gezähmt hatte.

Schließlich erkannte Cinderella eines Morgens, dass sie sich in den Prinzen verliebt hatte. 

Dann nahm sie seinen Heiratsantrag an und wenig später heiratete das glückliche Paar in einer großen Zeremonie im Beisein des ganzen Königreichs, während der Drache Herzen aus Rauch in die Luft blies.

Cinderella und der Prinz lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage – mit dem Drachen als ihrem treuen Freund und Beschützer – und ihre Liebesgeschichte wurde zum Stoff für Legenden.

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Der wunderliche Geigenspieler https://onkelguido.de/maerchen/der-wunderliche-geigenspieler/ https://onkelguido.de/maerchen/der-wunderliche-geigenspieler/#comments Fri, 04 Nov 2022 16:03:00 +0000 https://onkelguido.de/maerchen/der-wunderliche-geigenspieler/ Weiterlesen

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Dieses Märchen erzählt die Geschichte eines Musikers, der sich einen Begleiter wünscht, damit er nicht so allein ist. Sie basiert auf dem Märchen „Der wunderliche Spielmann“. Ob er wohl einen Begleiter findet? Lass es uns gemeinsam herausfinden!

Es war einmal ein stolzer Musiker.

Eines Tages wanderte er ganz allein mit seiner Geige durch den Wald und dachte mal an das eine, mal an das andere, bis er an nichts anderes mehr denken konnte.

Dann sagte er zu sich selbst:

„So ganz allein im Wald herumzulaufen, ist irgendwie blöd. Ich hätte schon gerne einen Begleiter – jemanden, mit dem ich mich unterhalten kann und der sich meine Musik anhört. Ja, das wäre toll.“

Also nahm er seine Fiedel heraus und fiedelte, bis der ganze Wald seine Musik hörte.

Ein paar Vögel stimmten mit ein und die Eichhörnchen hielten sich die Ohren zu.

Nach einiger Zeit kam ein Wolf durch das Dickicht und trottete auf den Musiker zu.

„Oh, Mist, ist das ein Wolf?“, dachte er sich, „Ich will zwar einen Begleiter, aber einen Wolf will ich dann doch nicht als Gesellschaft.“

Aber da der Wolf keine Gedanken lesen konnte, kam er immer näher und sagte dann:

„Oho, mein lieber Musiker, wie schön du spielst! Ich wünschte, du würdest mir beibringen, wie man das macht.“

Der Musiker wunderte sich kurz über diesen höflichen Wolf, bevor er seine Worte wiederfand.

„Ähm, ja … Also das ist leicht zu lernen“, antwortete der Musiker, „du musst nur genau das tun, was ich dir sage.“

„Natürlich werde ich das tun, das klingt ja nicht so schwer“, antwortete der Wolf, „ich kann dir versprechen, dass du in mir einen hervorragenden Schüler finden wirst.“

So taten sie sich zusammen und machten sich gemeinsam auf den Weg.

Auf dem Weg redeten sie kein Wort, denn obwohl der Musiker sich ja einen Begleiter gewünscht hatte, wollte er keinen Wolf als Freund.

Nach einiger Zeit kamen sie zu einer alten Eiche, die hohl war und in der Mitte des Stammes einen Riss hatte.

Und da kam dem Musiker eine Idee.

„Nun“, sagte der Musiker, „wenn du fiedeln lernen willst, ist das deine Chance. Lege deine Vorderpfoten in den Riss der Eiche.“

Der Wolf tat, wie ihm geheißen.

Da griff der Musiker schnell einen Stein und klemmte die beiden Vorderpfoten des Wolfes ein, sodass er dort wie ein Gefangener festgehalten wurde.

„Warte dort, bis ich zurückkomme“, sagte der Musiker und machte sich schnell auf den Weg.

Und so spazierte er wieder allein durch den Wald.

Nach einiger Zeit sagte er wieder zu sich selbst:

„Ja, allein ist es wirklich langweilig. Ich wünschte, ich hätte einen Gefährten.“

Also holte er seine Fiedel heraus und fiedelte wieder munter drauflos.

Plötzlich schlich ein Fuchs durch die Bäume und stellte sich vor ihm auf den Weg.

„Aha, was haben wir denn da?“, dachte sich der Musiker, „Einen Fuchs will ich auch nicht als Begleiter.“

Doch auch der Fuchs konnte keine Gedanken lesen, kam direkt auf den Musiker zu und sagte:

„Mein lieber Freund, wie schön du die Fiedel spielst – ich würde gerne lernen, wie du das machst.“

„Nichts leichter als das“, sagte der Musiker, „wenn du versprichst, genau das zu tun, was ich dir sage, bringe ich es dir bei.“

Der Fuchs zögerte keine Sekunde.

„Natürlich“, antwortete der Fuchs, „du musst es nur sagen und ich mache es, kein Problem.“

„Gut, dann folge mir“, antwortete der Musiker.

Als sie ein Stück des Weges zurückgelegt hatten, kamen sie an einen Stelle, wo zwei große Bäume am Wegrand standen – einer rechts, einer links.

Da kam dem Musiker eine Idee, wie er den Fuchs loswerden konnte.

Da blieb der Musiker stehen, bog einen dicken Zweig von einer Seite des Weges zu Boden und stellte seinen Fuß auf das Ende des Astes, um ihn unten zu halten.

Dann bog er einen zweiten Zweig von der anderen Seite herab, stellte sich auch auf diesen und sagte: „Hey Fuchs, gib mir deine linke Vorderpfote“.

Der Fuchs tat, wie ihm geheißen und der Musiker band die Vorderpfote des Fuches an das Ende eines der Äste.

„Nun, mein Freund“, sagte er, „gib mir deine rechte Pfote.“

Der Fuchs legte die rechte Vorderpfote auf den anderen Ast und der Musiker band sie schnell fest.

Nachdem der Musiker sich vergewissert hatte, dass die Knoten fest waren, machte er einen Schritt zurück.

Daraufhin wurde der Fuchs in die Luft gehoben und da hing er nun.

Und so viel er auch zappelte, er konnte sich nicht befreien.

„He, lass mich wieder runter!“, rief der Fuchs.

„Nein, nein. Das ist alles Teil des Musiker-Training. Du wartest einfach hier, bis ich zurückkomme“, antworte der Musiker und machte sich wieder auf den Weg.

Nachdem er wieder ein paar Minuten allein gegangen war, sagte er zu sich selbst:

„Mannomann, allein ist es wirklich langweilig. Ich wünschte, ich hätte einen Gefährten.“

Also nahm er seine Fiedel und spielte so fröhlich wie zuvor.

Diesmal kam ein kleiner Hase auf den Klang zugelaufen.

„Ein Hase, na toll“, dachte der Musiker, „warum wollen diese kleinen Vierbeiner nur so gerne mit mir befreundet sein. Ich habe nicht die geringste Lust auf seine Gesellschaft“.

Da aber auch der Hase keine Gedanken lesen konnte und der Musiker in freundliche anlächelte, hoppelte er freudig auf ihn zu.

„Wie schön du spielst, lieber Herr Musiker“, sagte der kleine Hase. „Ich würde gerne lernen, wie man so schöne Musik macht.“

„Das ist leicht zu lernen“, antwortete der Musiker, „mach einfach genau das, was ich dir sage, okay?“

„Das werde ich“, sagte der Hase, „du wirst in mir einen sehr aufmerksamen Schüler finden.“

So gingen sie ein Stück zusammen, bis sie an eine schmale Stelle des Waldes kamen, wo eine Espe wuchs.

Wieder kam der Musiker eine Idee, um seinen unerwünschten Gefährten loszuwerden.

„Hase, komm mal her“, rief der Musiker.

Der kleine Hase hoppelte zum Musiker, der neben der Espe stand.

Dann band der Musiker dem kleinen Hasen eine lange Schnur um den Hals.

Das andere Ende befestigte er am Baum.

„Nun, mein lustiger kleiner Freund“, sagte der Musikant, „laufe zwanzigmal um den Baum herum“.

Der kleine Hase gehorchte und lief zwanzigmal um den Baum herum.

Durch die niedrigen Äste hatte sich alles verheddert und der kleine Hase war gefangen.

„Wartet dort, bis ich zurückkomme“, sagte der Musiker und machte sich auf den Weg.

In der Zwischenzeit hatte der Wolf am Stein gezogen, gebissen und gekratzt, bis es ihm endlich gelang, seine Pfoten zu befreien.

Voller Zorn eilte er dem Musikanten hinterher und war entschlossen, ihn in Stücke zu reißen, wenn er ihn traf.

Als der Fuchs ihn vorbeirennen sah, rief er, so laut er konnte:

„Hey Wolf, komm mir zu Hilfe, der Musiker hat auch mich betrogen“.

Der Wolf riss die Äste herunter, biss die Schnur entzwei und ließ den Fuchs frei.

Und so machten sich die beiden Vierbeiner gemeinsam auf den Weg und schworen beide, sich an dem Musiker zu rächen.

Sie fanden den armen, gefangenen kleinen Hasen und nachdem sie auch ihn befreit hatten, machten sie sich zu dritt auf die Suche nach ihrem gemeinsamen Feind.

Währenddessen hatte der Musikant wieder einmal auf seiner Fiedel gespielt und hatte dabei scheinbar endlich mehr Glück gehabt.

Als der Musiker eine kleine Lichtung erreicht hatte, drangen die Klänge bis zu den Ohren eines Holzfällers vor, der sofort aufhörte zu arbeiten und mit seiner Axt unter dem Arm angelaufen kam, um der Musik zu lauschen.

„Endlich habe ich einen richtigen Gefährten“, sagte der Musiker glücklich, „ich wollte schon die ganze Zeit einen Menschen als Begleiter und kein wildes Tier, musst du wissen.“

Und dann begann er zu spielen.

Er fiedelte sein Lied, bis der Holzfäller ihn nach wenigen Momenten unterbrach:

„Das Lied kenne ich schon. Kannst du ein anderes spielen?“

„Ähm, ja, natürlich“, sagte der Musiker leicht genervt, „das wird dir bestimmt gefallen.“

Und wieder fing er an, zu spielen.

Der Musiker gab sich große Mühe, doch der Holzfäller unterbrach ihn wieder:

„Nein, nein. Das Lied mag ich nicht. Spiel doch mal so etwas: 'Dududi dududa, la la la luuu'“

Der Musiker schaute ihn verdutzt an.

Aber da er seinen einzigen menschlichen Zuhörer nicht verlieren wollte, tat er sein Bestes, um ihn zufriedenzustellen – auch wenn er es schon sehr unhöflich fand.

Kurz nachdem er angefangen hatte, ein neuen Lies zu spielen, unterbrach ihn der Holzfäller wieder.

„Sag mal, bist du dir sicher, dass du ein guter Musiker bist. Irgendwie klingt das alles ziemlich schlecht.“

Und da war der Musiker mit seiner Geduld am Ende.

Die beiden stritten sich, der Musiker fiedelte und der Holzfäller rief ihm Kritik zu.

Der Musiker fiedelte lauter und daraufhin kritisierte der Holzfäller ihn noch lauter, damit er ihn auch ja hörte.

So ging es hin und her.

Währenddessen standen die drei Vierbeiner ein paar Meter entfernt am Rande der Lichtung und kicherten.

„Anscheinend hat der Musiker schon das bekommen, war er verdient. Kommt, wir gehen und machen unsere eigene Musik“, sagte der kleine Hase fröhlich.

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Der jüngste Bruder & die drei Aufgaben https://onkelguido.de/maerchen/der-juengste-bruder-die-drei-aufgaben/ https://onkelguido.de/maerchen/der-juengste-bruder-die-drei-aufgaben/#comments Wed, 02 Nov 2022 17:00:00 +0000 https://onkelguido.de/maerchen/der-juengste-bruder-die-drei-aufgaben/ Weiterlesen

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Diese Geschichte basiert auf dem Grimmschen Märchen „Die Bienenkönigin“ und handelt von drei Brüdern, die erst die Welt entdecken und dann verschiedene Aufgaben lösen müssen. Welcher der drei Brüder wohl am Ende gewinnt? Lass es uns gemeinsam herausfinden.

Einst begaben sich zwei Königssöhne sich auf ein Abenteuer, da sie ihr Leben langweilig fanden und sich einen Namen in der Welt machen wollten.

Aber anstatt sich Ruhm und Ehre zu sichern, zogen die zwei Brüder von Gasthaus zu Gasthaus und bekleckerten sich eher mit Bratensoße als mit Ruhm.

Und wenn sie dann doch einmal etwas Heldenhaftes versuchten, stolperten sie über ihre eigenen Beine, machten nur Schabernack und entschieden sich dazu, schnell ins nächste Dorf zu ziehen.

Als der König davon hörte, dass sich seine zwei Söhne so in seinem Königreich blamierten, wurde er ganz rot vor Scham.

Sein dritter Sohn, der jüngste, wurde damit beauftragt, seine beiden älteren Brüder zurückzuholen.

Und so zog er sich seine Stiefel an, packte einen großen Rucksack und machte sich auf den Weg.

Als der jüngste Bruder sie nach einer langen Suche endlich fand, lachten sie ihn aus.

„Nein, nein, hahaha, das wäre ja viel zu peinlich. Unser kleiner Bruder holt uns nach Hause“, sagte der eine Bruder. „Wir gehen weiter und suchen nach dem Abenteuer, das uns zu Helden macht“, sagte der andere Bruder.

Und so blieb dem jüngsten Bruder nichts anderes übrig, als ihnen zu folgen.

Immerhin hatte ihm sein Vater aufgetragen, nicht ohne die beiden nach Hause zurückzukehren.

Also machten sie sich alle gemeinsam auf die Reise und kamen schließlich zu einem Ameisenhügel.

Die beiden älteren Brüder wollten ihn abreißen, um zu sehen, wie panisch die armen Ameisen dann herumlaufen und ihre Eier wegtragen würden.

Der jüngste Brüder stellte sich mit verschränkten Armen vor den Ameisenhügel und sagte: „Lasst die armen Dinger in Ruhe. Was haben sie euch denn getan, dass ihr ihnen solch ein Unrecht antun müsst?“

Mürrisch drehten sich die zwei älteren Brüder um, murmelten „So ein Spielverderber“ und gingen weiter.

Nachdem sie ein paar Kilometer gegangen waren, kamen die drei zu einem See, in dem viele Enten schwammen.

Die beiden älteren Brüder wollten zwei Enten fangen und sie braten.

Wieder stellte sich der jüngere Bruder vor die zwei und sagte: „Wir haben noch eine Menge Verpflegung aus dem letzten Gasthaus – Äpfel, Brote und Käse. Es gibt keinen Grund, diese Enten zu fangen und zu braten.“

Der älteste Bruder verzog sein Gesicht und motzte grimmig: „Ja ja ja, Herr Spielverderber – ich weiß ohnehin nicht, wie man eine Ente zubereitet. Hast du wohl noch mal Glück gehabt, gehen wir weiter.“

Als Nächstes kamen sie zu einem Bienennest in einem hohlen Baum.

Die Bienen waren so fleißig, dass der Honig den Stamm hinunterlief.

Schnell wurde ein Plan ausgeheckt.

Die beiden Brüder wollten ein Feuer unter dem Baum anzünden und die Bienen vertreiben, um sich den Magen ungestört mit dem leckeren Honig vollzuschlagen.

Und noch einmal stellte sich der kleine Bruder zwischen seine Brüder und das Ziel ihrer Begierde.

„Nur weil ihr Lust auf Honig habt, wollt ihr das Zuhause der Bienen zerstören und Unzählige von ihnen verbrennen. Habt ihr kein Gewissen?“

Die beiden älteren Brüder schauten sich an, zuckten mit den Schultern und liefen schnell weiter.

Vielleicht konnten sie ihren kleinen Bruder abhängen.

Doch sie hatten in den letzten Wochen einfach zu viel gegessen und sich nicht ausreichend bewegt, weswegen sie bereits nach wenigen Metern komplett außer Puste waren.

Ihr jüngerer Bruder kam ihnen entspannt hinterher und dann gingen sie gemeinsam weiter.

Schließlich kamen die drei Brüder zu einem Schloss.

Als sie an den Ställen vorbeikamen, sahen sie dort drei schöne Pferde stehen.

Nach ein paar Schritten bemerkten sie, dass die Pferde aus Marmor waren.

Der jüngere Bruder berührte die Statuen und spürte, dass sie warm waren und nicht kühl wie normaler Marmor.

Dann gingen sie durch alle Räume des Schlosses, bis sie zu einer Tür kamen, in die ein Guckloch eingelassen war.

Die drei Brüder schauten neugierig durch das kleine Fenster und sahen einen kleinen, grauen, alten Mann, der an einem Tisch saß.

Sie riefen ein- oder zweimal nach ihm, aber er hörte sie nicht.

Der jüngste Bruder öffnete die Tür und endlich bemerkte sie der alte Mann, er schien tief in seinen Gedanken gewesen zu sein.

Anstatt sie zu begrüßen oder zu verjagen, führte er sie in einen großen Saal, in dem ein langer Tisch stand.

Der lange Tisch war mit allerlei Leckereien gedeckt.

„Willkommen in meinem Schloss“, sagte der alte Mann dann, „ich habe schon lange kein Besuch mehr gehabt. Esst euch ruhig satt, ruht euch aus und morgen will ich euch etwas zeigen.“

Als sie gegessen und getrunken hatten, führte er jeden von ihnen in sein Schlafgemach.

Am nächsten Morgen präsentierte er den drei Brüdern drei Aufgaben, die sie lösen mussten, um einen tollen Preis zu gewinnen.

„Wenn ihr die drei Aufgaben lösen könnt, werdet ihr als Helden in die Geschichte eingehen und ihr werdet reich sein. Aber es gibt …“

Die zwei älteren Brüder unterbrachen ihn. 

„Dann los, wir sind die geborenen Helden. Wir lösen jede der drei Aufgaben im Handumdrehen mit verbundenen Augen im Schlaf.“

Der alte Mann war ein wenig verdutzt, dass die zwei nicht mal den Haken wissen wollten.

Der jüngere Bruder verdrehte die Augen.

„Wie ihr wollt“, fuhr der alte Mann fort, „der älteste Bruder darf es zuerst probieren. Hier ist die Augabe Nr. 1: Im Wald, unter dem Moos, liegen tausend Perlen. Wenn du alle Perlen bis zum Sonnenuntergang findest, hast du die erste Aufgabe bestanden.“

Ohne zu zögern, machte sich der älteste Bruder auf den Weg und suchte den ganzen Tag nach den Perlen.

Als es Abend wurde und er nicht einmal hundert Perlen gefunden hatte, verwandelte er sich in eine Statue aus Marmor.

Da rief der zweitälteste Bruder empört: „Was soll das denn?! Du hast uns nicht gesagt, dass wir zu Marmor werden, wenn wir die Aufgabe nicht bestehen!“

Der alte Mann holte tief Luft und antwortete ihm: „Ihr habt mich ja auch nicht ausreden lassen. Jetzt ist es zu spät. Ihr habt die Regeln akzeptiert. Selber Schuld.“

Am nächsten Tag versuchte der zweite Bruder sein Glück. 

Aber auch ihm gelang es nicht, mehr als hundert Perlen zu finden.

Und als die Sonne untergegangen war, verwandelte auch er sich in Stein.

Während der jüngste Bruder am Abend im Bett lag, machte er sich große Sorgen.

Wie sollte er das nur schaffen? In was für ein Schlammassel hatten seine zwei älteren Brüder in da gebracht?

Dann war es so weit: jetzt musste der jüngste Bruder versuchen, die Aufgabe zu bestehen.

Er gab sich wirklich Mühe, aber als es Mittag wurde, hatte er nur eine Handvoll Perlen gefunden.

Verzweifelt setzte er sich auf einen umgefallen Baumstamm.

Und während er dort saß, kam der König der Ameisen, dessen Leben er gerettet hatte, mit hunderttausend Ameisen, um ihm zu helfen.

Es dauerte nicht lange, bis sie alle Perlen gefunden hatten und sie auf einen Haufen gelegt hatten.

„Sehr beeindruckend“, sagte der alte Mann, „aber das ist nur die erste Aufgabe von dreien. Jetzt pass auf, hier ist die zweite Aufgabe: Du musst den Schlüssel zum Schloss aus dem See fischen. Er liegt an der tiefsten Stelle, ganz in der Mitte. Du hast bis zum Sonnenuntergang Zeit.“

Also stapfte der jüngste Bruder eilig zum See.

Es war ein riesiger See.

Aber da er sich nicht auch in eine Marmorstatue verwandeln wollte, schwamm er zur Mitte des Sees und tauchte.

Und tauchte.

Und tauchte.

Ohne Erfolg.

Egal, wie sehr er sich anstrengte, er konnte den Grund einfach nicht erreichen.

Der See war zu tief.

Und langsam ging die Sonne unter.

Da kamen die beiden Enten, deren er Leben gerettet hatte, angeflogen.

Sie tauchten aus dem Flug in den See hinein, waren kurz verschwunden und tauchten dann direkt vor ihm wieder auf.

Sie schnatterten kurz und gaben ihm den Schlüssel zum Schloss.

Der jüngste Bruder schwamm zurück zum Ufer, wo der alte Mann bereits auf ihn wartete.

„Sehr beeindruckend“, sagte er, „aber das ist nur die zweite Aufgabe von dreien. Morgen erwartet dich die dritte Aufgabe und die ist mit Abstand die schwierigste.“

Am nächsten Morgen ging der jüngste Bruder in den Hof des Schlosses. Dort stand der alte Mann mit drei jungen Frauen.

„Das sind meine Töchter. Sie sehen alle gleich aus, wie du sehen kannst. Drillinge, ja. Und Prinzessinnen sind sie auch.“

Der jüngste Bruder verneigte sich leicht.

„Wie dem auch sei“, fuhr der alte Mann fort, „die dritte Aufgabe ist, die Prinzessin zu identifizieren, die heute Morgen Honig gegessen hat. Schaffst du das, wirst du unendlich reich sein, als Held bekannt sein und darfst dir eine meiner Töchter als Gemahlin aussuchen.“

Eine der Prinzessinnen räusperte sich.

„Papa, darüber haben wir geredet. Wir suchen uns selbst aus, wen wir heiraten und wen nicht. Wir sind kein Preis, den man gewinnen kann.“

Der jüngste Bruder musste kichern.

„Wie dem auch sei“, wiederholte der alte Mann fort, „die dritte Aufgabe ist, die Prinzessin zu identifizieren, die heute Morgen Honig gegessen hat. Schaffst du das, wirst du unendlich reich sein, als Held bekannt sein und … ja, das war’s.“

Die drei Prinzessinnen saßen auf einem Podest auf drei Stühlen.

Sie sahen wirklich komplett identisch aus.

Woher sollte der jüngste Bruder denn wissen, wer heute Morgen Honig gegessen hatte?

Dass er ihnen nicht näher als 3 Meter kommen durfte, machte die Aufgabe wirklich nicht leichter.

Da kam die Bienenkönigin angeflogen, deren Volk er vor dem Feuer gerettet hatte.

Sie summte langsam um alle drei Prinzessinnen herum, dann noch einmal und dann noch einmal.

Plötzlich flog sie zum jüngsten Bruder zurück, setze sich auf seine Schulter und flüsterte ihm die Antwort ins Ohr.

Als Bienenkönigin und Honigexpertin wusste sie genau, welche Prinzessin nach Honig roch und welche nicht.

Dann sprang er auf, streckte seinen Zeigefinger aus und rief: „Die Prinzessin in der Mitte hat heute Morgen Honig zum Frühstück“.

Da klatschte der alte Mann in die Hände.

„Sehr beeindruckend“, sagte er, „du hast alle Aufgaben bestanden. Jetzt hast du einen Topf voller Gold und wirst als Held bekannt werden. Und gleichzeitig hast du auch den Zauber dieses Schlosses gebrochen.“

Und mit diesen Worten wurden seine zwei älteren Brüder und die drei Pferde wieder lebendig.

„Kleiner Bruder, danke, dass du uns gerettet hast“, sagte der älteste Bruder und klopfte ihm auf die Schulter.

„Ja, danke! Aber jetzt lass uns schnell wieder nach Hause und weg von diesem komischen alten Mann, bevor er es sich anders überlegt und uns wieder in Statuen verwandelt“, sagte der zweitälteste Bruder.

Die drei Brüder stiegen auf die Pferde und ritten schnell davon, während die drei Prinzessinnen ihn zum Abschied winkten.

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Warum der Himmel so weit weg ist https://onkelguido.de/maerchen/warum-der-himmel-so-hoch-ist/ https://onkelguido.de/maerchen/warum-der-himmel-so-hoch-ist/#comments Mon, 24 Oct 2022 11:27:00 +0000 Indien Märchen https://onkelguido.de/maerchen/warum-der-himmel-so-hoch-ist/ Weiterlesen

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In diesem Volksmärchen aus Indien erfährst du, wer Schuld daran hat, dass der Himmel so weit weg ist und man ihn nicht mehr berühren kann. Viel Spaß!

Vor langer Zeit war der Himmel ziemlich niedrig.

Wenn du dich auf einen Stuhl gestellt und deine Hände so hoch wie möglich ausgestreckt hast, konntest du den Himmel berühren.

Zu dieser Zeit gab es weit am Horizont, wo der Himmel immer besonders niedrig war, ein Dorf.

In diesem Dorf lebte in einer kleinen, mit Stroh gedeckten Lehmhütte eine gebeugte alte Frau.

Die alte Frau hatte nichts anderes zu tun, also schrubbte und fegte sie ihre kleine Hütte den ganzen Tag lang.

Diese gebeugte Alte Frau war die älteste Frau in dem Dorf, vielleicht sogar die älteste Frau der Welt.

Sie war so alt, dass sie gar nicht mehr wusste, wie alt sie überhaupt war.

Die alte Frau lebte ganz allein in ihrer kleinen Lehmhütte, denn ihre Freunde und Familie waren entweder schon lange gestorben oder wegzogen.

Sie konnte nirgendwo hingehen und hatte niemanden, mit dem sie reden konnte.

Deswegen wirbelte sie den ganzen Tag lang in ihrer Hütte herum und putzte erst diese Ecke, dann jene, schrubbte diesen Teil des Bodens und fegte jenen.

Die gebeugte alte Frau dachte an nichts anderes mehr, als an immer mehr Möglichkeiten, ihre kleine Lehmhütte zu fegen und zu schrubben.

Eines heißen Sommers war das Land komplett ausgetrocknet.

Der Staub war überall: an den Bäumen, auf den Dächern der Hütten und Häuser, in den Kehlen und Augen der Menschen, ja, sogar in der Luft.

Überall im Dorf husteten und niesten die Menschen wegen des Staubes.

Sogar der arme alte Himmel wurde nicht verschont – er war so nah am Boden, dass ihn der kleinste Windhauch zum Husten brachte.

Auch die Hütte der alten Frau war mit Staub bedeckt.

Die alte Frau fegte und fegte und fegte ihre kleine Hütte mit ihrem Besen.

Sie fegte das Innere ihrer Hütte, sie fegte das Äußere ihrer Hütte, sie fegte die Eingangstreppe und sie fegte den Vorgarten.

Aber der Staub stieg überall um sie herum in großen braunen Wolken auf.

Und je mehr sie fegte und ihren Besen schwang, desto mehr Staub stieg von der Erde auf.

Der arme Himmel begann zu husten von dem ganzen Staub, den die alte Frau mit ihrem Besen aufwirbelte.

Der Staub wurde immer dichter, kitzelte ihn in der Nase und brachte den Himmel zum Niesen – ein großes Niesen wie ein Donner, das die ganze Welt erschütterte.

Die Menschen hielten sich die Hände über den Kopf und rannten erschrocken in ihre Häuser. 

Die alte Frau, die mittlerweile auch nicht mehr so gut hörte, bemerkte das Tohuwabohu kaum.

Sie zuckte mit den Schultern und fegte weiter mit ihrem Besen.

Die alte Frau fegte und fegte, der Himmel nieste und nieste – der Staub wurde unerträglich. 

Nun drang der Staub auch in seine Augen und ließ sie tränen – sodass große, schwere Regentropfen in den trockenen Staub unter ihm fielen.

Die gekrümmte Alte Frau bemerkte es kaum, bis schließlich ein großer, spritziger Regentropfen genau auf den Fleck fiel, den sie gerade gefegt hatte.

Die gekrümmte Alte Frau blickte zum Himmel und schrubbte den spritzigen Regentropfen weg.

Doch dann fiel ein weiterer Regentropfen und noch einer, bis ihre geschruppte Vordertreppe mit Regentropfen übersät war.

Das war mehr, als die alte Frau ertragen konnte.

Sie stand so gerade auf, wie sie es mit ihrem krummen Rücken noch konnte.

Dann schüttelte sie ihre Faust gegen den Himmel, damit er aufhörte, auf ihre schöne, saubere Treppe zu regnen.

Sie verfluchte den Himmel und drohte ihm, aber der arme alte Himmel konnte nicht aufhören zu regnen, denn seine Augen waren immer noch so voller Staub.

Schließlich war die gebeugte alte Frau so wütend, dass sie ihren Besen nahm und dem Himmel einen kräftigen Stoß verpasste.

Der Himmel nieste noch einmal kräftig und sprang ihr aus dem Weg.

Aber die gekrümmte alte Frau stieß ihren Besen weiter und weiter in den Himmel – wieder und wieder und wieder.

Schließlich konnte der Himmel es nicht mehr ertragen.

Der Staub, das Fluchen der alten Frau und vor allem ihren Besen, der ihn wieder und wieder und wieder stieß.

Niesend und hustend, donnernd und regnend, flog der Himmel hoch – hoch und weit weg.

Hauptsache, er kam außer Reichweite des Besens der alten Frau.

Der Himmel schwor, niemals wieder herunterzukommen.

Und das ist der Grund, warum der Himmel so hoch ist.

Selbst am Horizont, wo er die Erde zu berühren scheint, ist er immer noch hoch genug, um nicht von dem Besen der alten Frau berührt zu werden.

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Das Märchen von Frau Holle, eine „Onkel Guido“-Nacherzählung https://onkelguido.de/maerchen/frau-holle/ https://onkelguido.de/maerchen/frau-holle/#comments Sun, 23 Oct 2022 18:18:00 +0000 Märchen https://onkelguido.de/maerchen/frau-holle/ Weiterlesen

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Hier findest du das Märchen von Frau Holle in einer leicht angepassten Version, sodass es besser in unsere Zeit passt. Die Moral von der Geschichte bleibt erhalten, wird aber mit etwas mehr Witz und Liebe vermittelt. Viel Spaß!

Vor langer, langer Zeit lebte eine Familie glücklich auf einem Bauernhof.

Für die Zeit war es eine ungewöhnliche Familie.

Denn der Vater – sein Name war Volker – und die Mutter – ihr Name war Lena – waren schon einmal verheiratet, bevor sie sich kennenlernten.

Sie hatten auch beide jeweils eine Tochter mit ihrem ehemaligen Partner.

Doch das konnte ihre Liebe nicht aufhalten.

Volker lernte Lena auf dem Wochenmarkt kennen, wo Lena das Gemüse von ihrem Bauernhof verkaufte.

Jede Woche unterhielten sie sich so lange, bis die Sonne unterging und dann brachte Volker Lena nach Hause.

So musste sie nicht allein durch den dunklen Wald gehen, der sich zwischen dem Bauernhof und dem Städtchen befand.

Wenn Volker dann spät abends nach Hause kam, erzählte er seiner Tochter Charlotte, was er für eine tolle Frau kennengelernt hatte.

Auch Lena erzählte ihrer Tochter Maike von dem tollen Kerl, der ihr half, den langweiligen Tag auf dem Markt zu überstehen.

Eines Tages entschieden sich Volker und Lena, dass es eine gute Idee wäre zusammenzuziehen – auch die beiden Mädchen fanden die Idee toll.

Charlotte freute sich, dass sie bald ein größeres Zimmer bekommen würde.

Maike freute sich darauf, die Hausarbeit nicht mehr allein übernehmen zu müssen, wenn ihre Mutter nicht da war.

Und beide Mädchen freuten sich darüber, eine Schwester und hoffentlich eine neue beste Freundin zu bekommen.

Also zogen Volker und Charlotte zu den beiden auf den Bauernhof.

So vergingen viele Jahre, Volker und Lena heirateten sogar.

Die vier wurden wirklich ein glückliche Familie, die zusammen den Bauernhof bestellte, regelmäßig Ausflüge unternahm und einander unterstütze.

Irgendwann wurde Volker jedoch sehr krank und starb.

Während alle trauerten, änderte sich das Verhalten von Lena besonders stark.

Sie wurde Charlotte gegenüber sehr eisig und bestand darauf, dass Charlotte sie von nun an nur noch „Stiefmutter“ nannte.

Wo sie sich früher alle unterstützten, blieben nun alle Aufgaben an Charlotte hängen.

Sie musste aufräumen, abspülen, auf dem Bauernhof helfen, das Gemüse in der Stadt verkaufen und die Klamotten am Brunnen waschen.

Währenddessen steckte Maike ihre Nase in Bücher und versuchte sich vor allen Aufgaben zu drücken. 

Ihre Stiefmutter schaute traurig aus dem Fenster, wenn sie Charlotte mal gerade nicht anmotzte.

Immer wenn Charlotte anmerkte, wie unfair das Ganze ist und sie den ganzen Haushalt allein schmeißt, sagte ihre Stiefmutter nur: „So ist das Leben. Unfair. Jetzt beschwer dich nicht und arbeite weiter.“

Auch als Maike anmerkte, dass Charlotte ja recht hatte, konnte sie ihre Mutter nicht umstimmen.

Wütend schnappte sich Charlotte den Wäschekorb und stampfte zum Fluss, um die dreckige Wäsche zu waschen.

Sie war von der ganzen Arbeit so müde, dass sie den Wäschekorb kaum tragen konnte.

Als sie endlich am Fluss angekommen war, fing sie an zu waschen.

Ein Kleid von Maike, eine Hose von ihrer Stiefmutter, wieder Socken von Maike, eine Bluse, wieder eine Hose … langsam fielen ihr vor Anstrengung die Augen zu.

Für einen kleinen Moment war sie Unachtsam und ein kleines goldenes Medaillon fiel aus der Hose, die sie gerade wusch.

Charlotte konnte gerade noch erkennen, dass es das Medaillon war, das ihr Vater ihrer Stiefmutter zum Geburtstag geschenkt hatte, bevor er starb.

Und da war es auch schon verschwunden.

Sie packte die Wäsche ein und lief schnell wieder nach Hause.

„Was ist denn mit dir los?“, fragte ihre Stiefmutter, als sie zur Tür hereinkam.

Außer Atem erzählte sie von ihrem Missgeschick.

„Wie kannst du es dich wagen, du dummes Mädchen? Geh sofort zurück zum Fluss und komm erst zurück, wenn du das Medaillon wiedergefunden hast“, schrie Charlottes Stiefmutter sie an.

Charlotte wollte protestieren und öffnete ihren Mund, aber sagte dann doch kein Wort.

Mittlerweile hatte sie gelernt, dass sie es nur noch schlimmer machte, wenn sie jetzt diskutierte.

Trotzdem stiegen ihr Tränen in die Augen, während sie sich umdrehte und aus dem Haus rannte.

Sie rannte und rannte, bis sie am Fluss ankam.

Da stand sie nun.

Charlotte wusste, dass sie nicht nach Hause kann, bevor sie das Medaillon nicht gefunden hatte.

Also nahm sie ihren ganzen Mut zusammen und sprang in den Fluss.

Sie tauchte und versuchte das goldene Schmuckstück zu finden – immer wieder und wieder.

Mittlerweile war es dunkel geworden.

Und damit sanken ihre Chancen, das Medaillon zu finden.

Zusätzlich war sie unendlich müde von all der harten Arbeit, die sie den Tag über schon erledigt hatte.

Irgendwann konnte sie einfach nicht mehr.

Charlotte fiel mit einem lauten Platsch um und verlor das Bewusstsein.

Als sie aufwachte und wieder zu sich kam, schien die Sonne hell.

Sie befand sie sich auf einer wunderschönen Wiese, auf der es tausende verschiedene Blumen gab.

Verwundert stand sie auf und schaute sich um.

Hatte der Fluss sie zu einem anderen Ort gespült? Aber warum war sie dann auf einer Wiese und nicht am Flussufer? Und wo war der Fluss überhaupt?

Charlotte war zwar etwas verwirrt, aber sie fühlte sich so erholt wie schon lange nicht mehr.

Also entschied sie sich dazu, die neue Umgebung zu erkunden.

Sie ging über die Blumenwiese und kam nach ein paar Minuten zu einem Ofen.

Charlotte blieb stehen und schaute den Ofen mit großen Augen an.

„Wer stellt denn einen Ofen mitten auf eine Wiese?“, fragte sie sich laut.

Nach ein paar Schritten Richtung Ofen hörte sie leise Stimmen.

Sie ging weiter vorsichtig auf den Ofen zu und hörte dann deutlich: „Oh oh, hol uns aus dem Ofen. Hol uns aus dem Ofen, sonst verbrennen wir. Wir sind schon lange durchgebacken.“ 

Das Brot im Ofen rief um Hilfe!

Charlotte zögerte nicht eine Sekunde.

Sie trat an den Ofen heran und holte mit einem Brotschieber alle Brote heraus – einen Laib nach dem anderen.

Nachdem alle Brote in einen Korb gelegt waren, sagte die Brote wie im Chor: „Vielen Dank. Wir warten dann hier und werden später abgeholt. Du kannst jetzt weitergehen.“

Also ging Charlotte weiter und wenig später kam sie zu einem Baum, der mit Äpfeln beladen war.

„Schüttel den Baum. Schüttel den Baum. Wir Äpfel sind alle reif!“, riefen die Äpfel im Baum wie mit einer Stimme. 

Mittlerweile wunderte Charlotte gar nichts mehr.

Also schüttelte sie den Baum, bis die Äpfel alle zu Boden gefallen waren.

Auch die Äpfel schienen sehr dankbar zu sein:

„Vielen Dank. Wir warten dann hier und werden später abgeholt. Du kannst jetzt weitergehen.“

Kurz schaute Charlotte die Äpfel mit fragendem Gesicht an, aber jetzt waren sie ganz still und sagte kein Wort mehr.

Also ging Charlotte weiter.

Ein paar Minuten später kam sie zu einem kleinen Haus.

Aus einem Fenster lugte eine alte Frau hervor.

Die alte Frau hatte graue, wirre Haare, große Zähne und eine krumme Nase mit einer Warze.

Aus den Märchen, die ihr Vater ihr erzählte, als sie noch klein war, wusste sie, dass Hexen genau so aussahen.

Charlotte überlegte, ob sie schnell weglaufen sollte.

Bevor sie einen Entschluss fassen konnte, rief die alte Frau ihr zu:

„Hab keine Angst, liebes Kind. Ich bin Frau Holle. Bleib hier bei mir und wenn du meine Hausarbeit ordentlich erledigst, wird es dir für immer gut gehen. Nur musst du darauf achten, dass du mein Bett gut machst und es fleißig schüttelst, bis die Federn so wie Schnee.“

All ihre Sorgen schienen plötzlich wie magisch weggeblasen.

„Schlimmer als Zuhause kann es nicht sein“, murmelte sie leise und zuckte mit den Schultern.

Und weil die alte Frau so freundlich zu ihr sprach, fasste sich das Mädchen ein Herz, stimmte zu und trat in ihren Dienst.

Im Vergleich zu allem, was sie bei ihrer Stiefmutter zu tun hatte, waren die Aufgaben von Frau Holle ein Kinderspiel.

Jeden Morgen schüttelte sie das Federbett der alten Frau immer so kräftig aus, bis die Federn wie Schneeflocken im Zimmer herumflogen. 

Charlotte erledigte alles zur vollen Zufriedenheit von Frau Holle.

Und deshalb hatte sie ein gutes Leben bei ihr: Sie wurde nicht angemotzt, hatte Zeit für sich, immer einen vollen Bauch und führte regelmäßig spannende Gespräche mit der alten Frau.

Aber nachdem sie nun eine Zeit lang bei Frau Holle gewesen war, wurde sie traurig.

Zuerst wusste sie nicht, was mit ihr los war, aber schließlich stellte sie fest, dass es Heimweh sein musste.

Und obwohl es ihr hier tausendmal besser ging als Zuhause, sehnte sie sich immer noch nach Hause – vorwiegend nach Maike und ihren Freunden.

Schließlich sagte Charlotte zu Frau Holle: „Ich habe solche Sehnsucht nach meinem Zuhause und obwohl es mir hier ausgezeichnet geht, kann ich nicht länger bleiben. Ich muss wieder zu Maike und meinen Freunden zurückkehren.“

Frau Holle schaute sie einen Moment nachdenklich an, bevor sie antwortete: „Ich freue mich, dass du dich wieder nach deiner Heimat sehnst und weil du mir so fantastisch unterstützt hast, werde ich dich selbst zurückbringen.“

Damit nahm sie sie bei der Hand und führte sie zu einem großen Tor hinter dem Häuschen, das Charlotte aus einem unbekannten Grund vorher nicht gesehen hatte.

Als die beiden vor dem Tor standen, klatschte Frau Holle dreimal laut in die Hände.

Plötzlich flog eine kleine Wolke von Himmel herunter und landete vor den beiden.

Auf ihrem Rücken trug die kleine Wolke einen Korb voller Gold. 

„Das gehört alles dir, weil du so fleißig gewesen bist“, sagte Frau Holle, „ach und noch etwas. Das scheinst du verloren zu haben.“

Charlotte schaute Frau Holle verwundert an, als sie ihr das goldene Medaillon entgegenstreckte.

Das Mädchen nahm das Medaillon entgegen, umarmte die alte Frau und sagte: „Vielen, vielen Dank, Frau Holle.“

Dann nahm sie das Gold unter den Arm, steckte das Medaillon in ihre Tasche und ging durch das Tor.

Plötzlich stand sie wieder auf dem Bauernhof, nur wenige Meter von dem Haus entfernt.

Charlotte konnte sehen, wie ihre Stiefmutter traurig aus dem Fenster schaute, wie sie es schon vor ihrem Verschwinden getan hatte.

Der Hahn bemerkte ihre Rückkehr als Erster.

„Kikeriki! Kikerika! Unser verlorenes Mädchen ist wieder da.“

Die Tür des Hauses flog auf und ihre Stiefmutter lief auf sie zu.

Charlotte blieb stehen und machte sich schon darauf gefasst, angeschrien zu werden.

Stattdessen nahm ihre Stiefmutter sie fest in den Arm.

Unter Tränen sagte sie: „Charlotte, es tut mir so leid. Nachdem du nicht zurückgekommen bist, dachte ich, ich hätte dich auch verloren.“

Charlotte war perplex und konnte kein Wort sagen.

Ihre Stiefmutter ließ sie los, schaute sie an und sagte weiter:

„Nachdem dein Vater gestorben ist, war ich von der Trauer und dem Kummer zerfressen. Dich anzusehen, hat mich immer an ihn erinnert … Es tut mir leid, dass ich dich so schlecht behandelt habe. Ich hab’ mir solche Sorgen um dich gemacht.“

Charlotte war skeptisch.

Doch es war, als würde ein anderer Mensch vor ihr stehen, nicht mehr ihre böse Stiefmutter, sondern Lena – die Frau, in die sich ihr Vater verliebt hatte, die Frau, die all die Jahre wie eine echte Mutter für sie war.

Charlotte ließ den Korb voller Gold fallen und umarmte Lena fest.

Nach einer Weile gingen die beiden ins Haus.

Ihre Schwester Maike kam die Treppe heruntergelaufen und rief: „Charlotte, du bist zurück. Ich bin so froh. Wo zur Hölle warst du?!“

Charlotte war froh darüber, Maike wiederzusehen.

Sie setze sich auf den Sessel und sagte, dass das eine lange Geschichte sei.

Die beiden setzen sich zu ihr und hörten sich die ganze Geschichte an.

Das Mädchen erzählte alles, was ihr widerfahren war.

Maike bekam große Augen, als sie zum Teil der Geschichte kam, wo Frau Holle Charlotte ihr einen Korb voller Gold schenkte.

Nachdem alle Fragen beantwortet waren, gingen alle mit einem wohligen Gefühl ins Bett.

Und von diesem Moment an waren sie wieder eine glückliche Familie.

Das Gold sorgte dafür, dass sie nicht mehr so hart arbeiten mussten.

Die drei Mädels unterstützten einander, unternahmen Ausflüge und lachten jeden Tag gemeinsam.

Und so würde unsere Geschichte fürs Erste enden.

Aber Maike wollte auch einen Topf voller Gold.

Also beschloss sie, Frau Holle einen Besuch abzustatten.

Eines Nachts stibitze sie das goldene Medaillon, schrieb einen kurzen Brief, sodass sich ihre Mutter und Charlotte keine Sorgen machen würden und lief schnell Richtung Fluss.

„Hah, als würde ich mir solch eine Chance entgehen lassen. Ein Topf voller Gold, einfach so“, dachte sie sich entschlossen, als sie das Medaillon in einem hohen Bogen in den Fluss warf.

Und dann sprang Maike hinterher und tauchte so lange ein und auf, bis sie ohnmächtig wurde.

Genauso wie Charlotte wachte auch sie auf der schönen Wiese auf und ging denselben Weg entlang.

Aber als sie zum Ofen kam, hörte sie die Brote rufen: „Oh oh, hol uns aus dem Ofen. Hol uns aus dem Ofen, sonst verbrennen wir. Wir sind schon lange durchgebacken.“

Aber Maike antwortete: „Als ob ich mich schmutzig machen würde“ und ging weiter.

Bald kam sie zu dem Apfelbaum.

„Schüttel den Baum. Schüttel den Baum. Wir Äpfel sind alle reif!“, riefen die Äpfel im Baum wieder.

Maike antwortete: „Das wäre ja noch schöner, mir könnte ein Apfel auf den Kopf fallen“ und ging schnell weiter.

Als sie zum Haus von Frau Holle kam, hatte sie keine Angst.

Auch wenn die alte Frau aussah wie eine Hexe, wusste Maike, dass sie ihr einen Topf Gold geben würde.

Die Frau schaute aus dem Fenster und rief: „Hab keine Angst, ich bin Frau Holle …“, aber Maike unterbrach sie.

„Ja, weiß ich schon. Was gibt es zu tun?“

Am ersten Tag zwang Maike sich, fleißig zu sein und alle Aufgaben so zu erledigen, wie Frau Holle es ihr sagte.

Sie dachte nur an das Gold, das sie bald bekommen würde.

Aber schon am zweiten Tag begann sie faul zu sein.

Am dritten Tag noch mehr.

Und am vierten Tag wollte sie morgens nicht einmal mehr aufstehen.

Sie machte das Bett für Frau Holle nicht, wie sie es eigentlich sollte und sie schüttelte es nicht, bis die Federn flogen.

Stattdessen motzte Maike, dass Frau Holle einfach keine guten Bücher hat.

Und wenn Frau Holle ihr eine Geschichte erzählen wollte, schlief das Mädchen innerhalb von Sekunden ein.

Frau Holle wurde dessen bald überdrüssig und entließ sie von ihren Pflichten.

„Maike, ich glaube, es ist besser, wenn du wieder gehst“, sagte Frau Holle eines Abends.

Maike musste grinsen.

Das war genau das, was das faule Mädchen wollte.

Jetzt würde sie endlich den Topf mit Gold bekommen.

Frau Holle führte auch sie zum Tor, gab ihr das Medaillon zurück und zeigte auf den Weg zurück.

Maike nahm das Medaillon entgegen.

Aber anstatt durch die Tür zu gehen, blieb das Mädchen stehen, schaute Frau Holle fordernd an und fragte: „Und? War’s das etwa schon? Hast du nicht was vergessen?“

Nun musste Frau Holle grinsen.

„Ach, du willst deine Belohnung für deine Hilfe? Das hätte ich fast vergessen.“

Dann klatschte Frau Holle dreimal in die Hände.

Wie schon vorher sauste eine Wolke vom Himmel auf die Erden.

Sie landete aber nicht wie bei Charlotte vor den beiden, sondern schwebte über Wolke.

Maike schaute neugierig nach oben und plötzlich schüttelte sich die Wolke.

Ein kleiner Regenschauer durchnässte das Mädchen, sodass sie bis auf die Haut nass wurde.

„Das ist der Lohn für deine Dienste“, sagte Frau Holle und schob Maike durch das Tor.

Bedröppelt stand sie vor ihrem Zuhause.

Der Hahn bemerkte die Rückkehrerin wieder als Erster.

„Kikeriki! Kikerika! Unser verlorenes Mädchen ist wieder da.“

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