

Als im Frühling die ersten Blüten auf der Wiese tanzten, freute sich Henni Häschen sehr.
Doch plötzlich kitzelte ihre Nase immerzu.
Ob ausgerechnet die bunten Blumen daran schuld waren?
Viel Spaß mit dieser Gute-Nacht-Geschichte.
...
Der Frühling war zurückgekehrt.
Die Wiese leuchtete in Gelb, Rosa und Weiß.
Zarte Blüten wiegten sich im Wind.
Die Bienen summten fleißig von Blume zu Blume.
Henni Häschen hüpfte fröhlich durch das weiche Gras.
Sie liebte diese Jahreszeit.
Doch an diesem Morgen war etwas anders.
Ihre Nase kribbelte.
Erst ganz leicht.
Dann stärker.
„Hatschi“, nieste Henni so laut, dass eine Amsel erschrocken aufflog.
Henni blinzelte.
Ihre Augen juckten ein wenig.
Schon wieder musste sie niesen.
„Hatschi.“
Sie setzte sich ins Gras.
So hatte sie sich den Frühling nicht vorgestellt.
Gerade noch hatte sie mit den Schmetterlingen um die Wette gehüpft.
Jetzt fühlte sie sich plötzlich ganz klein.
Mama Hase kam aus dem Bau.
Sie setzte sich neben Henni und strich ihr sanft über die Ohren.
„Meine kleine Henni“, sagte sie ruhig.
„Was ist denn los?“
Henni schniefte.
„Immer wenn ich draußen bin, muss ich niesen.“
„Und meine Nase kitzelt.“
Mama Hase nickte langsam.
Sie schaute über die blühende Wiese.
„Das klingt nach Heuschnupfen“, sagte sie leise.
Henni schaute sie mit großen Augen an.
„Heu schnupfen? Ich habe doch gar kein Heu geschnupft.“
Mama musste lächeln.
„Das heißt nur so.“
„Manche Nasen reagieren empfindlich auf Blütenstaub.“
Henni sah sich um.
Überall waren Blumen.
Überall tanzte feiner Staub in der Luft.
Da kam Herr Igel des Weges entlang.
Er trug einen kleinen Korb bei sich.
„Guten Morgen“, brummte er freundlich.
„Warum sitzt ihr denn so still hier?“
Henni wollte antworten.
Doch stattdessen kam ein lautes „Hatschi.“
Herr Igel nickte wissend.
„Ah“, sagte er.
„Die Pollen.“
Henni schaute fragend.
„Pol len?“
„Das ist der feine Staub der Blüten“, erklärte Herr Igel.
„Manche Tiere reagieren darauf.“
Henni seufzte.
„Aber ich liebe doch den Frühling.“
In diesem Moment summte es ganz nah an ihrem Ohr.
Eine kleine Biene landete auf einer Margerite.
Hinter ihr stand ein Glas mit goldenem Honig.
Neben dem Glas saß ein kleiner, niedlicher Fuchs.
Er tat so, als würde er nur die Wolken beobachten.
Doch eigentlich lauschte er ganz genau.
„Vielleicht kann euch ortsansässiger Honig helfen“, sagte Herr Igel nachdenklich.
Henni blinzelte.
„Was ist orts an sässig?“
„Honig von hier“, erklärte Mama Hase sanft.
„Von den Blumen dieser Wiese.“
Herr Igel stellte das Glas vorsichtig ins Gras.
Der Honig glänzte warm im Sonnenlicht.
„Wenn man jeden Tag ein kleines bisschen davon isst“, sagte er ruhig, „kann sich der Körper langsam an die Blüten gewöhnen.“
Henni schaute neugierig.
„Schmeckt das denn?“
Mama lächelte.
„Probier es.“
Henni tunkte vorsichtig ihre kleine Pfote in den Honig.
Sie schleckte daran.
Ihre Augen wurden groß.
„Oh“, flüsterte sie.
„Der schmeckt ja wie Sonnenschein.“
Alle lachten leise.
Sogar der kleine Fuchs musste kichern.
Von da an bekam Henni jeden Morgen einen winzigen Löffel Honig.
Nicht viel.
Nur ein bisschen.
Ganz langsam.
Ganz geduldig.
Die Tage vergingen.
Die Wiese blühte weiter.
Henni blieb manchmal noch im Bau, wenn der Wind stark war.
Aber sie fühlte sich ruhiger.
Sie nieste weniger.
Ihre Augen juckten kaum noch.
Eines Morgens hüpfte sie hinaus.
Die Sonne streichelte ihr Fell.
Eine Biene summte an ihr vorbei.
Henni blieb stehen.
Sie wartete.
Doch es kam kein Niesen.
Kein Kitzeln.
Nur ein leises Prickeln.
„Mama“, rief sie fröhlich.
„Es ist viel besser.“
Mama Hase trat neben sie.
„Siehst du“, sagte sie warm.
„Manchmal braucht der Körper nur Zeit.“
Herr Igel kam wieder vorbei.
Er trug diesmal keinen Korb.
Nur ein zufriedenes Lächeln.
„Und?“, fragte er.
Henni strahlte.
„Ich kann wieder mit den Schmetterlingen tanzen.“
Der kleine Fuchs saß am Rand der Wiese.
Er hatte ein Gänseblümchen zwischen den Pfoten.
Er zwinkerte Henni heimlich zu.
Henni winkte zurück.
Dann hüpfte sie los.
Ganz vorsichtig.
Ganz frei.
Sie atmete tief ein.
Die Luft roch nach Blüten.
Nach Erde.
Nach Frühling.
Und ein kleines bisschen nach Honig.
Henni verstand nun etwas Wichtiges.
Der Frühling war nicht ihr Feind.
Er war nur ein bisschen zu wild gewesen.
Mit Geduld.
Mit Hilfe.
Und mit einem Löffel goldenen Honigs.
War alles wieder gut geworden.
Am Abend lag Henni im Bau.
Der Wind rauschte leise über die Wiese.
„Mama“, murmelte sie schläfrig.
„Der Honig war wirklich ein Zauber.“
Mama küsste sie auf die Stirn.
„Der größte Zauber ist die Natur selbst.“
Henni lächelte.
Und während draußen die Sterne über der blühenden Wiese funkelten, schlief sie friedlich ein.
Ganz ohne Niesen.
Ganz ohne Kitzeln.
Nur mit einem warmen Gefühl von Sonne im Herzen.
Und irgendwo draußen saß ein kleiner Fuchs im Mondlicht.
Er schleckte sich den letzten Honigtropfen von der Pfote.
Und lächelte.
Ganz leise.
Ganz zufrieden.
Gute Nacht.

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Wir wünschen dir ganz viel Spaß beim Lesen oder Anhören.
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