Kapitel 3: Plätzchenduft, leise Sorgen und ein Plan

Onkel Guido
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Kapitel 3: Plätzchenduft, leise Sorgen und ein Plan
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Der erste Adventssonntag war da.

Im Wohnzimmer stand nun der Adventskranz.

Die erste Kerze brannte.

Ihr warmes Licht zauberte kleine Schatten an die Wand.

Lina und Mama rollten Plätzchenteig aus.

Papa stand am Herd und rührte in einem großen Topf.

„Was gibt es?“, fragte Lina neugierig.

„Eine Weihnachtssuppe“, sagte Papa.

„Mit vielen bunten Gemüsesternen.“

„Suppensternchen“, kicherte Lina.

Sie stach gerade kleine Herzchen und Sterne aus dem Teig aus.

„Diese hier bringen wir nachher zu Frau Mertens“, erinnerte Mama.

„Und ein paar bleiben bei uns.“

„Die sind für Linas Bauch“, sagte Papa und tat so, als würde er an seinem eigenen Bauch zupfen.

Lina lachte.

Sie fühlte sich wohl.

Das Haus war warm.

Es roch nach Butter, Vanille und Suppe.

Und irgendwo im Hintergrund spielte leise Weihnachtsmusik.

Doch zwischen all den warmen Gefühlen schlich sich plötzlich ein kleiner Gedanke in Linas Kopf.

Ein leiser, dunkler Gedanke.

Was, wenn dieses Weihnachten nicht so schön wird wie die anderen?

Sie hatte gehört, wie Mama und Papa abends in der Küche leise gesprochen hatten.

Über Geld.

Über Rechnungen.

Über Dinge, die sie sich dieses Jahr vielleicht nicht leisten konnten.

„Es wird trotzdem schön“, hatte Mama gesagt.

„Weil wir zusammen sind.“

Aber Lina hatte gespürt, dass da ein kleines Sorgenfädchen in Mamas Stimme gewesen war.

Sie legte die Ausstechform zur Seite.

Ihr wurde auf einmal viel wichtiger, dass Frau Mertens ein warmes Plätzchen bekam, als dass sie selbst ein neues Spielzeug bekam.

„Mama“, sagte sie leise.

„Wenn dieses Jahr die Geschenke kleiner sind, ist es dann trotzdem Weihnachten?“

Mama sah sie überrascht an.

Sie wischte sich die Hände an der Schürze ab und kniete sich zu Lina.

„Wer hat dir das erzählt?“, fragte sie.

„Niemand“, murmelte Lina.

„Ich habe nur gehört, wie ihr gestern gesprochen habt.“

Mama seufzte.

Dann nahm sie Linas Hände in ihre.

„Du bist wirklich ein aufmerksames Mädchen“, sagte sie liebevoll.

„Ja, es stimmt.“

„Wir müssen dieses Jahr ein bisschen aufpassen mit dem Geld.“

„Aber weißt du was?“

Lina sah sie fragend an.

„Weihnachten hängt nicht an Paketen“, sagte Mama.

„Es hängt an Geschichten, an Zeit, an Lachen, an Lichtern.“

„Manchmal sind die kleinsten Geschenke die größten.“

„Und manchmal ist ein gemeinsamer Abend bei Kerzenschein wertvoller als alles, was in Papier eingewickelt ist.“

Lina nickte langsam.

„Dann wünsche ich mir einfach schöne Abende“, sagte sie tapfer.

„Mit euch.“

Mama schluckte.

Ihre Augen glänzten ein bisschen.

„Die kannst du auf jeden Fall haben“, flüsterte sie.

„Ganz viele.“

Am Nachmittag packten sie die Plätzchen in eine kleine Dose.

Lina malte ein Herz darauf und schrieb „Frohe Weihnachten“ daneben.

Dann gingen sie zu Frau Mertens.

Die alte Dame mit den weißen Haaren und den müden Augen öffnete vorsichtig die Tür.

„Guten Tag, Frau Mertens“, sagte Mama freundlich.

„Wir haben etwas für Sie.“

Lina hielt ihr die Dose hin.

„Selbst gebacken“, erklärte sie stolz.

„Mit ganz viel Liebe.“

Frau Mertens sah erst die Dose an, dann Lina, dann wieder die Dose.

Langsam breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus.

„Ach, ihr Lieben“, murmelte sie.

„Das ist ja ein Geschenk.“

„Kommt doch kurz rein.“

Sie traten in die kleine Wohnung.

Es roch nach Tee und nach einem Hauch Lavendel.

Auf dem Tisch stand eine einzelne Kerze.

Sonst war es still.

Lina schaute sich um.

„Haben Sie auch einen Adventskranz?“, fragte sie.

Frau Mertens schüttelte den Kopf.

„Nein, meine Liebe“, sagte sie.

„Dieses Jahr habe ich keinen.“

„Es war mir zu viel.“

„Aber ich habe meine Kerze dort.“

Sie zeigte auf die Kerze auf dem Tisch.

Lina dachte an die vielen Lichter draußen auf den Straßen.

An ihren Adventskranz.

An die Krippe.

„Vielleicht“, sagte sie schüchtern.

„Ist es gar nicht so wichtig, wie viele Kerzen man hat.“

„Hauptsache, eine brennt.“

Frau Mertens nickte langsam.

„Das hast du schön gesagt“, flüsterte sie.

„Ihr Besuch ist wie eine zweite Kerze.“

Auf dem Rückweg durch den Schnee dachte Lina an ihre Worte.

Wie konnte man eine Kerze sein?

Vielleicht, indem man einem anderen Menschen ein bisschen Wärme schenkte.

Abends stand Lina wieder am Fenster.

Der Himmel war dunkel.

Über dem Garten funkelten ein paar Sterne.

Und am Zaun stand der kleine Fuchs.

Er hatte sich halb in den Schnee gekuschelt.

Sein Fell leuchtete im Mondlicht.

„Hallo du“, flüsterte Lina durch das Glas.

„Heute waren wir eine Kerze für Frau Mertens.“

„Vielleicht war ich sogar ein kleines Licht.“

Der Fuchs blinzelte.

Sein Atem stieg wie kleine Wolken in die Luft.

Für Lina war das Antwort genug.

In dieser Nacht träumte sie von einem großen Himmel voller Kerzen.

Jede Kerze war ein Mensch, der etwas Gutes getan hatte.

Und ganz weit hinten, am Rand des Traumes, sah sie den kleinen Fuchs durch den Schnee laufen.

Über seinem Kopf schwebte ein winziges Licht.

Fast unsichtbar.

Aber da.

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