

Die Zwillinge Petra und Paul dürfen dieses Jahr ihren allerersten Adventskalender öffnen.
Doch schnell merken sie, dass jeder kleine Schatz darin mehr bedeutet als nur Schokolade – er enthält Magie, Erinnerungen und ein Geheimnis, das ein kleiner Fuchs ihnen zuflüstert.
Viel Spaß mit dieser Gute-Nacht-Geschichte.
...
Petra und Paul waren Zwillinge.
Sie waren sechs Jahre alt und fast immer zusammen unterwegs.
Sie teilten ihr Spielzimmer, ihre Witze, ihre Lieblingsfarben und manchmal sogar ihre Socken.
Aber eine Sache hatten sie noch nie erlebt:
Einen eigenen Adventskalender.
„Dieses Jahr bekommt ihr euren ersten“, sagte Mama an einem frostigen Dezembermorgen.
Ihre Augen funkelten, denn sie wusste genau, wie sehr die Zwillinge Überraschungen liebten.
Petra und Paul sprangen gleichzeitig in die Luft.
„Unser erster Adventskalender!“, rief Petra.
„Mit Türchen und Geheimnissen!“, rief Paul.
Mama lachte.
„Kommt, ihr zwei. Er wartet im Wohnzimmer.“
Die Zwillinge stürmten los.
Dort stand er auf der Kommode – ein wunderschöner Adventskalender aus Holz, mit kleinen Fächern, die wie winzige Schubladen aussahen.
Jede Schublade war mit rotem Band umwickelt.
Petra staunte.
„Der sieht ja magisch aus.“
Paul nickte.
„Bestimmt hat das Christkind ihn gebracht.“
In diesem Moment raschelte etwas draußen vor dem Fenster.
Ein kleiner roter Fuchs hockte im Schnee und blickte neugierig ins Zimmer.
„Schau mal!“, flüsterte Petra.
„Ein Fuchs!“, sagte Paul. „Der sieht aus, als wüsste er etwas.“
Der Fuchs blinzelte, als würde er lächeln.
Dann verschwand er wieder im Garten.
„Vielleicht passt er auf unseren Adventskalender auf“, sagte Petra.
Paul nickte.
„Oder er bringt uns Glück.“
Mama stellte sich neben die beiden.
„Wollt ihr das erste Türchen öffnen?“
Die Zwillinge sahen sich an und nickten gleichzeitig.
„Ja!“
Petra zog vorsichtig die Schublade mit der Nummer eins heraus.
Drinnen lag ein kleines goldenes Sternchen aus Papier.
„Oh!“, sagte sie überrascht.
„Ein Stern!“, rief Paul. „Aber keine Schokolade?“
Mama kniete sich zu ihnen.
„Manchmal steckt hinter einem kleinen Ding etwas Großes“, sagte sie.
Petra drehte das Sternchen in ihren Händen.
Paul hielt es gegen das Fenster.
„Es glitzert“, sagte er leise.
In diesem Moment tauchte der kleine Fuchs erneut hinter dem Fenster auf.
Er setzte sich in den Schnee und sah ihnen zu.
„Glaubt ihr, der Stern bedeutet etwas?“, fragte Petra.
Paul nickte.
„Vielleicht führt er uns durch den Dezember.“
Am nächsten Morgen öffnete Paul die zweite Schublade.
Darin lag ein kleines Tannenzweigchen.
„Ein Zweig?“, fragte er verwirrt.
Petra nahm es und roch daran.
„Es riecht wie Weihnachten.“
Mama lächelte.
„Tannenzweige gehören zur Adventszeit. Vielleicht sollt ihr heute etwas Schönes damit machen.“
Die Zwillinge überlegten.
„Wir könnten ihn in unser Zimmer hängen“, schlug Petra vor.
„Oder als Geschenk für den Fuchs“, sagte Paul.
Petra lachte.
„Der frisst doch keine Zweige.“
Aber als sie später nach draußen gingen, saß der kleine Fuchs wieder im Garten.
Er schien sich zu freuen, als sie ihm den Zweig zeigten.
„Vielleicht gefällt ihm der Duft“, sagte Petra.
Der Fuchs stupste mit der Nase dagegen und sprang dann vergnügt im Schnee herum.
Am dritten Tag fanden sie ein winziges Glöckchen.
„Hör mal!“, sagte Paul und schüttelte es.
Ein zartes Klingeln erfüllte den Raum.
„Das klingt wie Weihnachten“, flüsterte Petra.
Der Fuchs tauchte auf und hob seine Ohren, als er den Klang hörte.
Er setzte sich und lauschte still.
„Der versteht das Glöckchen“, sagte Paul erstaunt.
Am vierten Tag war in der Schublade ein kleiner Zettel.
Darauf standen Worte in Mamas Handschrift:
„Heute macht ihr eine kleine gute Tat.“
Petra sah Paul fragend an.
„Was ist eine gute Tat?“
Mama lächelte.
„Etwas, das jemandem Freude macht.“
Die Zwillinge überlegten.
Dann backten sie kleine Plätzchen und brachten welche der alten Nachbarin Frau Hensel.
Sie freute sich so sehr, dass sie Tränen in den Augen hatte.
Als sie später wieder ins Wohnzimmer kamen, saß der kleine Fuchs auf dem Terrassenstein und blickte stolz zu ihnen hinein.
„Er weiß, dass wir gut waren“, sagte Petra.
Paul nickte.
„Er passt auf uns auf.“
Jeden Tag entdeckten die Zwillinge etwas Neues in ihrem Kalender.
Eine winzige Kerze.
Ein kleines Herz aus Filz.
Ein Bild vom Christkind.
Ein Sternenaufkleber.
Ein warmes Wort.
Ein kleines Lied.
Und mit jedem Türchen wurde ihr Zuhause ein bisschen heller und ihr Herz ein bisschen wärmer.
Der kleine Fuchs tauchte fast jeden Tag auf.
Immer dann, wenn sie sich besonders freuten.
Oder wenn sie etwas teilten.
Oder wenn sie jemanden zum Lachen brachten.
Am 24. Dezember öffneten Petra und Paul gemeinsam die größte Schublade.
Drinnen lag ein kleiner Brief.
Petra nahm ihn heraus.
Paul öffnete ihn vorsichtig.
Mama, Papa und der kleine Fuchs schauten gespannt zu.
Der Brief war mit silbernen Sternchen bemalt.
„Lies vor“, flüsterte Petra.
Paul räusperte sich.
„Liebe Petra und lieber Paul“, las er, „euer erster Adventskalender war nicht dazu da, euch zu beschenken. Er war dazu da, euch zu zeigen, wie schön der Dezember ist. Wie wichtig es ist, zu teilen, zu helfen und zu staunen.“
Petra lächelte.
Paul las weiter.
„Ihr habt kleine Wunder erlebt, weil ihr euer Herz geöffnet habt.“
Der kleine Fuchs sprang in diesem Moment genau vor das Fenster und setzte sich hin.
Sein Schweif wippte sanft.
„Der Fuchs ist ein Freund, der euch begleitet hat. Vielleicht nur in euren Herzen. Vielleicht in echt. Das ist das Geheimnis des Advents.“
Emma und Paul sahen sich an und lächelten.
„Frohe Weihnachten.“
Paul legte den Brief zurück in die Schublade.
Petra nahm seine Hand.
„Das war der schönste Adventskalender der Welt“, sagte sie.
Paul nickte.
„Und der Fuchs der beste Freund.“
Mama und Papa nahmen die Zwillinge in den Arm.
Draußen fiel sanft der Schnee.
Der Fuchs sah noch einmal zu ihnen hinein.
Dann verschwand er leise in der weißen, funkelnden Nacht.
Und die Zwillinge wussten:
Ihr erster Adventskalender würde für immer in ihrem Herzen bleiben.
Sanft.
Leise.
Und voller kleiner Wunder.

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Wir wünschen dir ganz viel Spaß beim Lesen oder Anhören.
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