

Manchmal muss man nur schauen und schon fängt der Tag an zu tanzen.
Viel Spaß mit dieser Gute-Nacht-Geschichte.
...
An diesem Morgen war Hanna noch ein bisschen müde.
Sie saß in ihrem Kinderwagen, hatte die Decke bis zum Kinn gezogen und schaute mit großen Augen auf die nassen Straßen von Waldheim.
Mama schob den Wagen und dachte an viele Dinge gleichzeitig.
An die Arbeit, die auf sie wartete.
An die Einkaufsliste, die sie vergessen hatte aufzuschreiben.
An das Wetter, das grau und nieselig war.
Die Kopfsteinpflaster glänzten vom Regen, und die Wolken hingen tief über den Dächern von Waldheim.
Es war ein ganz normaler Morgen.
Bis Hanna sich im Kinderwagen aufrichtete.
Sie streckte den kleinen Arm aus und rief: „Mama! Konfetti!"
Mama blieb stehen.
„Was?", fragte sie und schaute sich um.
Und dann sah sie es auch.
Überall auf dem nassen Pflaster lagen kleine Blütenblätter.
Weiß und zart und rosa.
Wie echtes Konfetti.
Mama schaute nach oben.
Über dem Weg stand ein alter Kirschbaum in voller Blüte.
Die Äste waren so voll, dass man das Grau des Himmels kaum noch sehen konnte.
Und genau in diesem Moment kam ein kleiner Windhauch durch die Gasse.
Die Blüten begannen zu fallen.
Langsam.
Wirbelnd.
Wie bei einem Fest.
„Konfetti!", rief Hanna noch einmal, diesmal lauter.
Dann stand sie auf, kletterte aus dem Kinderwagen und stellte ihre kleinen Füße mitten in den Blütenteppich.
Sie hob die Arme.
Und sie fing an zu tanzen.
Mama schaute kurz auf die Uhr.
Dann schaute sie auf Hanna.
Hanna drehte sich im Kreis, die Arme weit ausgebreitet, das Gesicht nach oben gewandt.
Die Blüten fielen auf ihre Wangen und auf ihre Mütze.
Mama lachte.
Es war ein echtes Lachen, das einfach so herauskam.
Und dann tanzte Mama mit.
Mitten auf dem Weg, im Nieselregen, in Waldheim.
Die beiden drehten sich zusammen im Kreis, und die Blüten wirbelten um sie herum wie bei einem richtigen Fest.
Am Rand des Weges, wo die alte Eiche stand, lugte ein kleiner Fuchs hinter dem Stamm hervor.
Er schaute den beiden eine Weile zu.
Dann schüttelte er ein einzelnes Blütenblatt von seiner roten Nase – und verschwand leise wieder im Gebüsch.
Als der Wind sich legte, standen Hanna und Mama mitten in einem kleinen Teppich aus Kirschblüten.
Hannas Mütze hatte drei rosa Tupfer abbekommen.
Mamas Schal war voller weißer Blüten.
Hanna schaute nach oben in den Baum.
„Danke, Baum", sagte sie.
Mama nahm Hannas Hand.
„Danke, Hanna", sagte sie leise.
Hanna schaute sie an.
„Wofür?", fragte sie.
„Weil du mir das Konfetti gezeigt hast."
Hanna nickte, als wäre das völlig selbstverständlich.
Dann kletterte sie zurück in den Kinderwagen, zog die Decke bis zum Kinn und schaute zufrieden auf die Blüten, die noch immer langsam vom Baum fielen.
Und Mama schob den Wagen weiter durch Waldheim.
Aber diesmal schaute sie nach oben.
Nur für den Fall, dass der Frühling noch mehr Konfetti bereithatte.

Auf dieser Webseite findest du tolle Geschichten zum Vorlesen für kleine und große Kinder. Entweder einfach zwischendurch zum Entspannen oder abends als „Gute Nacht“-Geschichte, diese kindergerechten Geschichten passen immer.
Wir wünschen dir ganz viel Spaß beim Lesen oder Anhören.
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P.S.: Du kannst Onkel Guidos Geschichten auch auf den folgenden Plattformen anhören.