Ein Eis mit Opa

Onkel Guido
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Ein Eis mit Opa
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Mia hat eigentlich gar nichts Besonderes vor. Doch als Opa sie zu einem Eis einlädt, wird aus einem ganz normalen Nachmittag ein kleiner Glücksmoment voller Lachen, Fragen und schöner Gespräche.

Viel Spaß mit dieser Gute-Nacht-Geschichte.

...

Es war ein warmer Nachmittag.

Nicht zu heiß.

Nicht zu kühl.

Genau richtig für kurze Ärmel, offene Schuhe und den Gedanken:

Heute könnte man eigentlich ein Eis essen.

Mia saß auf der kleinen Mauer vor dem Haus und ließ die Beine baumeln.

Sie hatte schon gemalt.

Sie hatte schon ihr Buch angeschaut.

Sie hatte sogar versucht, einen Marienkäfer zu zählen, aber der Marienkäfer war einfach weggeflogen.

Da kam Opa den Weg entlang.

Er trug seinen hellen Sommerhut, sein freundliches Lächeln und eine Stofftasche, in der meistens irgendetwas Überraschendes steckte.

„Na, Mia“, sagte Opa. „Siehst du auch so aus, als könntest du ein Eis vertragen?“

Mia sprang von der Mauer.

„Ja!“, rief sie. „Sehr sogar!“

Opa nickte ernst.

„Dann ist das ein wichtiger Fall. Da müssen wir sofort zur Eisdiele.“

Mia lachte.

Sie nahm Opas Hand.

Gemeinsam gingen sie los.

Der Weg zur Eisdiele war nicht weit.

Aber mit Opa dauerte er immer ein bisschen länger.

Nicht, weil Opa langsam war.

Sondern weil Opa überall etwas entdeckte.

Eine Wolke, die aussah wie ein dicker Hund.

Eine Blume, die sich durch eine Mauerritze schob.

Einen alten Roller, der fast dieselbe Farbe hatte wie Himbeereis.

„Opa?“, fragte Mia.

„Ja?“

„Hast du als Kind auch gerne Eis gegessen?“

Opa blieb stehen und tat, als müsse er sehr lange nachdenken.

„Also, wenn ich mich richtig erinnere“, sagte er, „habe ich Eis nicht gerne gegessen.“

Mia schaute ihn erschrocken an.

„Nicht?“

Opa grinste.

„Ich habe es sehr gerne gegessen.“

Mia prustete los.

„Opa!“

„Was denn? Das ist ein großer Unterschied.“

In der Eisdiele roch es nach Waffeln, Vanille und Sommer.

Vor der Theke standen viele bunte Sorten.

Schokolade.

Erdbeere.

Zitrone.

Mango.

Pistazie.

Und eine Sorte, die blau war und aussah, als hätte jemand den Himmel in eine Schüssel gerührt.

Mia drückte die Nase fast an die Scheibe.

„Ich nehme Erdbeere und Vanille.“

Opa nickte.

„Eine sehr gute Entscheidung.“

„Und du?“

Opa legte den Kopf schief.

„Ich nehme Nuss. Das habe ich früher schon genommen.“

„Immer?“

„Fast immer.“

„Warum?“

Opa lächelte.

„Manche Dinge bleiben einfach schön.“

Sie setzten sich draußen an einen kleinen runden Tisch.

Mias Eis tropfte ein bisschen über den Rand.

Opa gab ihr schnell eine Serviette.

„Eis essen ist eine ernste Angelegenheit“, sagte er.

„Warum?“, fragte Mia.

„Weil man dabei nicht zu lange warten darf. Sonst läuft es davon.“

Mia leckte schnell an der Erdbeerkugel.

Dann schauten beide eine Weile auf die Straße.

Ein Hund trottete vorbei.

Eine Frau fuhr mit dem Fahrrad.

Ein Junge balancierte auf dem Bordstein.

Es war nichts Besonderes.

Und gerade deshalb war es schön.

„Opa?“

„Ja, Mia?“

„Worüber hast du früher mit deinem Opa geredet?“

Opa sah auf sein Eis.

Dann lächelte er leise.

„Über alles Mögliche. Über Fußball. Über Regenwürmer. Über kaputte Fahrräder. Über die Frage, warum Erwachsene manchmal so ernst schauen.“

Mia nickte.

„Das frage ich mich auch manchmal.“

„Ich mich auch“, sagte Opa.

Mia kicherte.

Dann erzählte sie Opa von ihrer Freundin Lina.

Von dem Bild, das sie malen wollte.

Von einem Käfer, der aussah, als hätte er eine glänzende Jacke an.

Und davon, dass sie manchmal gerne wissen würde, ob Schnecken sich langweilen, wenn sie so langsam unterwegs sind.

Opa hörte zu.

Richtig zu.

Er schaute nicht auf ein Handy.

Er sagte nicht: Gleich.

Er sagte nicht: Dafür habe ich gerade keine Zeit.

Er saß einfach da, aß sein Nusseis und hörte Mia zu, als wäre jede ihrer Fragen wichtig.

Und das waren sie auch.

Nach einer Weile sagte Opa:

„Weißt du, Mia, manchmal denkt man, man müsste etwas ganz Großes unternehmen, damit ein Tag besonders wird.“

Mia leckte Vanille von ihrem Finger.

„Muss man aber nicht?“

Opa schüttelte den Kopf.

„Nein. Manchmal reicht ein Eis. Ein Tisch. Zwei Stühle. Und jemand, der zuhört.“

Mia dachte darüber nach.

Dann nickte sie.

„Und Streusel wären auch gut.“

Opa lachte.

„Streusel helfen natürlich immer.“

Als sie später nach Hause gingen, war Mias Hand ein kleines bisschen klebrig.

Opas auch.

Der Himmel wurde langsam golden.

Die Wolken sahen nun nicht mehr aus wie Hunde, sondern eher wie große, weiche Kissen.

Vor dem Haus blieb Mia stehen.

„Opa?“

„Ja?“

„Gehen wir bald wieder Eis essen?“

Opa zog seinen Hut ein wenig tiefer.

„Unbedingt. Das sollten wir regelmäßig überprüfen.“

„Was überprüfen?“

„Ob Erdbeere und Vanille immer noch so gut schmecken.“

Mia nickte sehr ernst.

„Das ist wichtig.“

Opa zwinkerte.

„Sehr wichtig.“

Am Abend, als Mia im Bett lag, dachte sie nicht nur an das Eis.

Sie dachte an Opas Lachen.

An seine Geschichten.

An den kleinen runden Tisch vor der Eisdiele.

Und daran, wie schön es war, wenn jemand einfach Zeit hatte.

Nur so.

Ohne Eile.

Ohne Grund.

Nur für ein Eis.

Und für ein Gespräch über alles Mögliche.

Mia kuschelte sich in ihre Decke.

Draußen sang eine Amsel ihr Abendlied.

Und Mia schlief mit einem kleinen Lächeln ein.

Denn sie wusste:

Manchmal ist das schönste Abenteuer gar nicht weit weg.

Manchmal wartet es gleich um die Ecke.

In einer Waffel.

Mit zwei Kugeln Eis.

Und Opas warmer Hand.

Hallo, ich bin Onkel Guido
… ich komme aus dem schönen Köln, bin selbst Vater und seit neustem auch Opa. :) Auf dieser Seite findest du Geschichten für Kinder und Erwachsene. Schön, dass du da bist!
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