Freundschaftsgeschichtenca. 6 Min Vorlesezeit

Mira & der geheime Farbenraum

Mira & der geheime Farbenraum
Vorlesen im dunklen Kinderzimmer?

Die Schule ist inzwischen bunter geworden.

Doch eines Tages entdeckt Mira einen Raum, der noch ganz grau geblieben ist.

Und diesmal braucht es mehr als nur einen Regenbogen-Füller.

Eine leise Mutmachgeschichte über Verantwortung, Zusammenhalt und den Zauber gemeinsamer Ideen.

Es war ein ganz normaler Dienstag.

Mit Mathe.

Und Brotdosen.

Und ein bisschen Gekicher in der dritten Reihe.

Mira war gerade auf dem Weg zur Toilette, als sie sich verlief.

Nicht doll.

Nur ein kleines bisschen.

Sie bog falsch ab.

Und stand plötzlich vor einer Tür, die sie noch nie gesehen hatte.

Die Tür war grau.

Sehr grau.

So grau wie ein verregneter Montag.

Auf dem Schild stand:

„Materialraum“.

Mira drückte vorsichtig die Klinke.

Die Tür knarrte leise.

Drinnen war es still.

Regale.

Kisten.

Alte Pappen.

Und ganz viel Staub.

Kein einziges Bild.

Kein Lachen.

Keine Farbe.

„Hier ist es ja trauriger als in meinem Matheheft“, murmelte Mira.

Sie ging langsam hinein.

In einer Ecke stand ein alter Tisch.

Darauf lag ein Karton mit Filzstiften.

Viele waren eingetrocknet.

Aber nicht alle.

Mira setzte sich.

Sie nahm einen blauen Stift.

Zögerte.

Und malte einen kleinen Kreis auf eine Pappe.

Nur einen.

Dann noch einen.

Und noch einen.

Plötzlich raschelte es hinter ihr.

Mira drehte sich um.

In der offenen Tür saß ein kleiner Fuchs.

Mit buschigem Schwanz.

Und neugierigen Augen.

„Na du?“, flüsterte Mira.

Der Fuchs legte den Kopf schief.

Als wollte er sagen:

Mach weiter.

Mira lächelte.

Sie malte dem Kreis Flügel.

Und Augen.

Und eine Krone.

Am nächsten Tag kam sie wieder.

Mit Sophie.

„Du musst das sehen“, sagte Mira geheimnisvoll.

Sophie blieb staunend stehen.

„Hier ist ja alles grau.“

„Noch“, sagte Mira.

Und reichte ihr einen Stift.

Sie begannen, alte Kartons zu bemalen.

Sterne.

Blumen.

Bunte Muster.

Ben kam am dritten Tag dazu.

„Was macht ihr hier?“, fragte er.

„Wir retten einen Raum“, sagte Mira.

Ben grinste.

„Dann rette ich mit.“

Nach und nach wurde der Materialraum heller.

Nicht, weil die Wände gestrichen wurden.

Sondern weil überall kleine Kunstwerke hingen.

An Schnüren.

An Regalen.

An Türen.

Sogar die Kisten bekamen lachende Gesichter.

Eines Morgens stand Frau Hagedorn plötzlich in der Tür.

Sie schaute sich um.

Lange.

Sehr lange.

Dann sagte sie leise:

„Habt ihr das gemacht?“

Mira nickte vorsichtig.

„Wir wollten nur ein bisschen Farbe dalassen.“

Frau Hagedorn setzte sich auf einen Hocker.

„Wisst ihr was? Dieser Raum war immer nur ein Lager.“

Sie lächelte.

„Jetzt ist es ein Atelier.“

Mira spürte wieder dieses warme Glitzern im Bauch.

Wie Sommerregen.

Wie Sonnenstaub.

In der nächsten Woche durfte jede Klasse den Raum nutzen.

Zum Malen.

Zum Basteln.

Zum Träumen.

Und an einer Wand blieb ein kleines Bild.

Ein Fuchs.

Mit einer winzigen Farbrolle in der Pfote.

Ganz unten, fast unsichtbar, stand in Miras Schrift:

„Jeder Raum kann leuchten.“

Am Abend lag Mira im Bett.

Sie dachte an den grauen Raum.

Und daran, wie er jetzt aussah.

Manchmal braucht es keine große Bühne.

Nur einen kleinen Anfang.

Und jemanden, der sich traut, die Tür zu öffnen.

Mira lächelte in ihr Kissen.

Und irgendwo in ihren Gedanken saß ein kleiner Fuchs.

Mit bunten Pfoten.

Ganz ruhig.

Ganz zufrieden.

Ende 🌙 Gute Nacht!

Schon bereit für morgen Abend? 🦊

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