

Der erste Tag im neuen Jahr fühlt sich anders an als alle anderen.
Im Rheinland gehört an Neujahr ein besonderes Essen dazu – und ein Gefühl von Hoffnung.
Viel Spaß mit dieser Gute-Nacht-Geschichte.
...
Der erste Januarmorgen begann ganz still.
Keine Autos fuhren vorbei.
Kein Wecker klingelte.
Im Wohnzimmer saßen Emma, Lukas und Paul dicht nebeneinander auf dem Sofa.
Sie waren noch ein bisschen müde.
Aber neugierig.
In der Küche klapperten Töpfe.
„Es riecht nach Sauerkraut“, sagte Emma leise.
Lukas hob den Kopf.
„Und nach Kassler“, murmelte er zufrieden.
Paul zog die Decke bis unter das Kinn.
„Dann ist wirklich Neujahr“, sagte er.
Am Tisch saßen schon Mama, Papa und Tante Karin.
Der Tisch war nicht festlich geschmückt.
Aber gemütlich.
Eine Kerze brannte.
Der Schnee fiel leise vor dem Fenster.
„Warum essen wir das eigentlich jedes Jahr?“, fragte Emma, als sie ihren Teller bekam.
Papa lächelte.
„Das ist eine alte rheinische Tradition“, erklärte er ruhig.
„Man sagt, Sauerkraut bringt Geld ins Haus.“
Paul schaute auf sein Kraut.
„Weil das aussieht wie viele kleine Münzen?“
„Ganz genau“, sagte Tante Karin und zwinkerte.
Lukas tippte auf das Kassler.
„Und das?“
„Das steht für Kraft“, erklärte Mama.
„Für ein starkes neues Jahr.“
Emma nahm einen Löffel Kartoffelpüree.
„Und das?“
Mama lachte leise.
„Das steht dafür, dass man mit beiden Füßen auf dem Boden bleibt.“
Alle aßen langsam.
Niemand hatte es eilig.
Zwischendurch erzählten sie vom alten Jahr.
Von schönen Tagen.
Von schwierigen.
„Ich wünsche mir“, sagte Paul plötzlich, „dass wir dieses Jahr ganz oft zusammen essen.“
Lukas nickte.
„Und dass wir gesund bleiben.“
Emma dachte kurz nach.
„Und dass wir auch an traurigen Tagen lachen können.“
Mama legte ihre Hand auf Emmas Arm.
„Das ist ein guter Wunsch“, sagte sie leise.
Draußen lief ein kleiner Fuchs über den verschneiten Weg.
Er blieb stehen.
Schnupperte.
Und verschwand wieder zwischen den Bäumen.
„Vielleicht bringt er uns ja auch Glück“, sagte Lukas flüsternd.
Papa lächelte.
„Glück kommt oft dann, wenn man zusammen ist.“
Nach dem Essen saßen sie noch lange am Tisch.
Die Kerze brannte ruhig.
Der Schnee fiel weiter.
Niemand schaute auf die Uhr.
Das neue Jahr durfte langsam beginnen.
Emma lehnte sich zurück.
„Neujahr fühlt sich an“, sagte sie müde, „wie ein leeres Heft.“
Mama nickte.
„Und ihr dürft jede Seite selbst füllen.“
Und so beginnt das neue Jahr bei vielen Menschen ganz leise.
Mit gutem Essen, vertrauten Stimmen und kleinen Wünschen.
Denn Glück und Geld finden ihren Weg ins Haus oft dann,
wenn Wärme, Zeit und Liebe schon da sind.

Auf dieser Webseite findest du tolle Geschichten zum Vorlesen für kleine und große Kindern. Entweder einfach zwischendurch zum Entspannen oder abends als „Gute Nacht“-Geschichte, diese kindergerechten Geschichten passen immer.
Wir wünschen dir ganz viel Spaß beim Lesen oder Anhören.
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P.S.: Du kannst Onkel Guidos Geschichten auch auf den folgenden Plattformen anhören.