

In der Nacht, in der ein Jahr leise geht und ein neues vorsichtig anklopft, nennen wir diesen Abend Silvester.
Doch kaum jemand weiß, woher dieser Name kommt und warum wir ihn überhaupt feiern.
Viel Spaß mit dieser Gute-Nacht-Geschichte.
...
Ganz am Ende des Jahres wurde es plötzlich still.
Nicht überall.
Aber dort, wo man genau hinhörte.
Die Kinder saßen am Fenster.
Draußen funkelten schon ein paar Lichter.
Manche Menschen waren laut.
Andere waren leise.
„Warum heißt dieser Tag eigentlich Silvester?“, fragte ein Kind.
Die Frage blieb einen Moment in der Luft hängen.
Dann begann die Zeit selbst zu antworten.
Vor sehr, sehr langer Zeit lebte ein Mann namens Silvester.
Er war kein König.
Kein Ritter.
Und auch kein Zauberer.
Er war ein Hüter der Zeit.
Silvester liebte Abschiede.
Nicht, weil sie traurig waren.
Sondern weil sie Platz machten.
Jedes Jahr, wenn ein altes Jahr müde wurde, setzte Silvester sich dazu.
Er hörte ihm zu.
All den Tagen.
All den Momenten.
Den guten.
Und den schweren.
„Du hast dein Bestes getan“, sagte Silvester dann leise.
Und das Jahr durfte gehen.
Die Kinder rückten näher ans Fenster.
„Und das neue Jahr?“, fragte eines.
Das neue Jahr kam nie laut.
Es kam vorsichtig.
Mit kleinen Schritten.
Mit vielen Möglichkeiten in den Taschen.
Silvester öffnete ihm die Tür.
„Willkommen“, sagte er freundlich.
„Die Menschen warten schon.“
Und so wurde dieser Abend nach ihm benannt.
Nicht wegen des Lärms.
Nicht wegen der Raketen.
Sondern wegen des Übergangs.
„Warum feiern wir dann?“, fragte ein Kind leise.
Die Zeit antwortete sanft:
„Weil Menschen gern zusammen sind, wenn etwas Neues beginnt.“
„Weil sie sich erinnern wollen.“
„Und weil Hoffnung leichter wird, wenn man sie teilt.“
Die Kinder dachten nach.
Sie dachten an das vergangene Jahr.
An schöne Tage.
An schwierige.
An Dinge, die sie gelernt hatten.
Und an Dinge, die sie loslassen wollten.
Kurz vor Mitternacht wurde es ganz ruhig.
Für einen Augenblick.
Einen einzigen.
In diesem Moment flüsterte Silvester jedem Menschen etwas ins Ohr.
Nicht laut.
Nicht deutlich.
Aber warm.
Vielleicht war es ein Wunsch.
Vielleicht Mut.
Vielleicht einfach nur:
„Du darfst neu anfangen.“
Dann begann das neue Jahr zu atmen.
Ganz langsam.
Die Kinder lächelten.
„Ich glaube“, sagte eines, „Silvester ist gar kein lauter Tag.“
„Nein“, sagte ein anderes.
„Er ist ein leiser Übergang.“
Draußen blitzte ein Licht am Himmel.
Aber drinnen war es warm.
Still.
Und voller Zuversicht.
Sanfter Abschluss:
Und so feiern wir Silvester nicht nur, weil ein Jahr endet.
Sondern weil ein neues beginnt.
Ganz leise.
Ganz vorsichtig.
Und mit Platz für neue Träume.

Auf dieser Webseite findest du tolle Geschichten zum Vorlesen für kleine und große Kindern. Entweder einfach zwischendurch zum Entspannen oder abends als „Gute Nacht“-Geschichte, diese kindergerechten Geschichten passen immer.
Wir wünschen dir ganz viel Spaß beim Lesen oder Anhören.
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P.S.: Du kannst Onkel Guidos Geschichten auch auf den folgenden Plattformen anhören.