Die kleine Schnecke Lena & der Dackel Gerd

Onkel Guido
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Die kleine Schnecke Lena & der Dackel Gerd
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Lena ist eine kleine Schnecke mit einem hellbraunen Häuschen und einem großen Wunsch: Sie möchte zu den kühlen Erdbeerblättern auf der anderen Seite des Gartens. Doch die Sonne scheint heiß vom Himmel, und der Weg ist viel weiter, als Lena gedacht hat.

Viel Spaß mit dieser Gute-Nacht-Geschichte.

...

Die kleine Schnecke Lena wohnte unter einem großen Rhabarberblatt.

Dort war es kühl.

Dort war es grün.

Und dort tropfte morgens manchmal ein bisschen Tau von den Blatträndern.

Lena liebte ihr Zuhause sehr.

Aber an diesem Tag hatte sie etwas Wichtiges vor.

Auf der anderen Seite des Gartens wuchsen die Erdbeeren.

Lena hatte gehört, dass die Erdbeerblätter besonders weich waren.

Und dass es darunter selbst an heißen Tagen schön schattig blieb.

Also streckte Lena ihre Fühler aus, schaute vorsichtig nach links und rechts und sagte:

„Heute wandere ich zu den Erdbeeren.“

Sie setzte sich in Bewegung.

Langsam.

Sehr langsam.

Aber für eine Schnecke war das genau richtig.

Der Garten lag still in der Mittagssonne.

Die Blumen ließen ihre Köpfe ein wenig hängen.

Die Steine auf dem Weg glänzten hell.

Und irgendwo summte eine Biene so müde, als hätte auch sie lieber ein kleines Nickerchen gemacht.

Lena kroch über die Erde.

Erst fühlte sich alles gut an.

Dann wurde der Boden wärmer.

Dann noch wärmer.

Lena blieb stehen.

„Puh“, flüsterte sie. „Das ist aber ein heißer Weg.“

Sie schaute zurück.

Das Rhabarberblatt war schon ein Stück entfernt.

Sie schaute nach vorn.

Die Erdbeeren waren noch viel weiter weg.

Lena seufzte.

Eine Schnecke seufzt natürlich nicht laut.

Eher so, als würde ein winziger Regentropfen auf ein Blatt fallen.

Doch genau in diesem Moment raschelte es am Gartenzaun.

Ein brauner Dackel mit langen Ohren, kurzen Beinen und einer sehr neugierigen Nase kam um die Ecke getrippelt.

Er hieß Gerd.

Gerd wohnte im gelben Haus am Garten.

Er kannte jede Ecke.

Jeden Blumentopf.

Jeden Maulwurfshügel.

Und leider auch jede Stelle, an der man sich beim Rennen die Nase stoßen konnte.

Gerd blieb vor Lena stehen.

Ganz vorsichtig.

Seine Nase war nur noch ein kleines Stück von ihr entfernt.

„Na, wen haben wir denn da?“, fragte er freundlich.

Lena zog die Fühler ein kleines bisschen ein.

„Ich bin Lena.“

„Freut mich, Lena. Ich bin Gerd.“

Lena schaute an ihm hoch.

Gerd sah riesig aus.

Aber seine Augen waren weich.

Und sein Schwanz wedelte so fröhlich, dass Lena gleich etwas mutiger wurde.

„Ich möchte zu den Erdbeeren“, erklärte sie. „Aber der Weg ist heiß. Und weit.“

Gerd drehte den Kopf zu den Erdbeerblättern.

Dann wieder zu Lena.

Dann wieder zu den Erdbeerblättern.

„Das ist für dich wirklich ein ordentliches Stück“, sagte er.

Lena nickte.

„Ich schaffe das schon. Nur vielleicht nicht heute.“

Gerd setzte sich hin und dachte nach.

Wenn Dackel nachdenken, sieht das sehr ernst aus.

Die Ohren hängen tief.

Die Stirn legt sich in Falten.

Und manchmal schnauft die Nase ein bisschen.

Dann sprang Gerd auf.

„Ich habe eine Idee!“

Lena erschrak fast.

„Eine schnelle Idee?“

„Nein“, sagte Gerd. „Eine langsame. Genau passend für dich.

Zuerst lief Gerd zum alten Apfelbaum.

Dort lag ein großes Blatt im Gras.

Er nahm es vorsichtig zwischen die Zähne und trug es zu Lena.

Dann legte er es neben sie auf den Boden.

„Ein Sonnendach“, sagte er stolz.

Lena kroch unter das Blatt.

Sofort wurde es kühler.

„Oh“, sagte sie. „Das ist ja wunderbar.“

Gerd lächelte.

Dann ging es weiter.

Lena kroch langsam durch den Garten.

Gerd lief nicht voraus.

Er blieb neben ihr.

Ganz langsam.

So langsam, dass sogar eine Ameise ihn verwundert anschaute.

Immer wenn ein Stück Sonne zu heiß wurde, stellte sich Gerd daneben.

Sein langer Dackelkörper warf einen kleinen Schatten.

Nicht groß.

Aber groß genug für Lena.

„Danke, Gerd“, sagte Lena.

„Gern geschehen“, sagte Gerd. „Ich bin heute ein Wanderschatten.“

Lena musste lachen.

Ein leises Schneckenlachen.

Dann kamen sie zum Steinweg.

Die Steine waren warm wie Ofenkekse.

Lena blieb am Rand stehen.

„Darüber kann ich nicht“, sagte sie.

Gerd sah sich um.

Neben dem Beet lag ein kleiner, feuchter Streifen Erde.

Dort hatte die Gießkanne am Morgen getropft.

Gerd schob mit der Schnauze ein paar Blätter zur Seite.

„Hier entlang. Das ist die kühle Schneckenstraße.“

Lena kroch vorsichtig hinüber.

Die Erde fühlte sich angenehm an.

Weich.

Kühl.

Freundlich.

Auf halbem Weg hielt sie an.

„Gerd?“

„Ja?“

„Warum hilfst du mir eigentlich?“

Gerd legte den Kopf schief.

„Weil du Hilfe brauchst.“

Lena dachte darüber nach.

Das war eine sehr einfache Antwort.

Und gerade deshalb war sie wunderschön.

Sie krochen und trippelten weiter.

Vorbei an den Ringelblumen.

Vorbei am Lavendel.

Vorbei an einem Gartenzwerg, der so aussah, als würde er heimlich lächeln.

Endlich erreichten sie die Erdbeeren.

Die Blätter waren groß und grün.

Darunter war es kühl wie in einer kleinen Sommerhöhle.

Lena kroch hinein und atmete erleichtert aus.

„Geschafft“, flüsterte sie.

Gerd legte sich neben das Beet.

Seine Nase lag im Gras.

Seine Ohren breiteten sich aus wie zwei kleine Teppiche.

„Und? War der Weg zu weit?“, fragte er.

Lena schaute zurück.

Der Garten lag hell und groß hinter ihr.

Dann schaute sie zu Gerd.

„Allein wäre er zu weit gewesen“, sagte sie. „Mit dir war er genau richtig.“

Gerd wedelte zufrieden mit dem Schwanz.

Ein paar Erdbeerblätter raschelten leise.

Die Sonne wanderte langsam weiter.

Und unter den grünen Blättern wurde es still und gemütlich.

Lena kuschelte sich in den Schatten.

Gerd schloss die Augen.

Und beide wussten:

Manchmal braucht man keinen schnellen Freund.

Manchmal braucht man nur einen, der langsam genug mitgeht.

So endete ein heißer Gartentag mit kühlen Erdbeerblättern, einem müden Dackel und einer kleinen Schnecke, die sehr stolz auf sich war.

Und als der Abend kam, glitzerte Lenas Schneckenspur im letzten Licht.

Wie ein kleiner Silberweg voller Mut.


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