Der Kreislauf der Freude

Aus dem Volksmund
Aus dem Volksmund
Der Kreislauf der Freude
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In dieser kurzen Geschichte aus dem Volksmund erfährst du, wie schön und wertvoll es sein kann, anderen eine Freude zu bereiten. Viel Spaß.

Auf dem Hügel, nahe von einem friedlichen Dorf, stand ein Kloster.

Dort lebten eine Menge Mönche, von denen jeder eine bestimmte Aufgabe hatte.

Du musst wissen, dass in vielen Klöstern alle männlichen Mönche Bruder genannt werden.

So auch in dem Kloster in dieser Geschichte.

Aber es gab noch eine Besonderheit.

Damit jeder Mönch wusste, welche Aufgabe der andere Mönch hatte, sprachen sie sich untereinander mit ‚Bruder‘ und ‚ihrer Aufgabe‘ an.

Der Mönch, der für das Brot backen zuständig war, wurde zum Beispiel ‚Bruder Bäcker‘ genannt.

So, und nachdem das geklärt ist, können wir mit der Geschichte weitermachen.

Ein Bauer klopfte heftig an die Tür eines Klosters.

Bruder Türhüter erschreckte sich etwas, er war eingedöst.

Verständlich … denn viel gab es bei seiner Aufgabe nicht zu tun, so viel Besuch bekamen die Mönche nämlich nicht.

Er öffnete schnell die Tür und schon streckte ihm der Bauer ein prächtiges Bündel Trauben entgegen.

„Lieber Bruder Türhüter, dies sind die schönsten Trauben, die in meinem Weinberg gewachsen sind. Und ich bin hier, um sie dir zu schenken“, sagte der Bauer.

„Ich danke dir. Ich werde sie sofort zum Abt bringen, der sich über dein Geschenk freuen wird“, sagte der Türhüter fröhlich.

„Nein, nein, ich habe sie für dich mitgebracht“, sagte der Bauer.

„Für mich?“, fragte der Türhüter verwundert.

Da wurde der Türhüter ganz rot im Gesicht, weil er dachte, dass er ein so schönes Geschenk gar nicht verdient hatte.

„Aber ja, die sind für dich“, beharrte der Bauer, „immer, wenn ich an diese Tür klopfe, öffnest du sie mir. Und immer wenn ich deine Hilfe benötigte, hilfst du mir – zum Beispiel hast du mir Brot und Wasser gegeben, als meine Ernte wegen der Hitze verdorrt war. Ich möchte, dass diese Traube dir etwas von der Liebe der Sonne, der Schönheit des Regens und von Gottes Wunder bringt, denn er hat sie so schön wachsen lassen.“

Bruder Türhüter bedankte sich von ganzem Herzen bei dem Bauern, der schon wieder winkend den Rückweg antrat.

Der Türhüter stellte die Trauben vor sich hin und verbrachte den ganzen Vormittag damit, sie zu bewundern.

Da die Trauben wirklich prächtig war, beschloss er, sie dem Abt zu schenken, da er immer ein aufmunterndes Wort für ihn hatte und ihm viele wertvolle Lektionen beigebracht hatte.

Der Abt freute sich sehr über die Trauben und wollte gerade eine probieren, als er sich daran erinnerte, dass es im Kloster einen Bruder gab, der krank war.

Da dachte der Abt sich: „Ich werde ihm die Traube schenken. Wer weiß, vielleicht bringt sie ihm etwas Freude in sein Leben.“

Und genau das tat er dann auch.

Doch die Trauben blieben nicht lange bei dem kranken Bruder, denn dieser dachte: „Bruder Koch kümmert sich schon so lange um mich und versorgt mich mit dem Besten, was es gibt. Ich bin sicher, dass er es zu schätzen weiß.“

Als Bruder Koch zur Mittagszeit das Essen brachte, bekam er die Weintrauben geschenkt.

„Sie gehören dir“, sagte der kranke Bruder, „da du immer mit Obst und Gemüse arbeitest, wirst du wissen, was du mit diesem Werk Gottes anfangen kannst.“

Auch Bruder Koch war fasziniert von der Schönheit der Trauben und bedankte sich bei dem kranken Bruder.

„So rund, so lila, so perfekt“, dachte er, „es gibt niemanden, der sie besser zu schätzen wissen könnte als Bruder Sakristan.“

Bruder Sakristan gestaltete die Kirchenräume, bereitete Gottesdienste vor und begleitete den Pfarrer während der Durchführung der Gottesdienste.

Er hatte ein ganz besonderes Auge für Ästhetik.

Der Bruder seinerseits schenkte die Trauben dem jüngsten Novizen, damit er verstand, dass Gottes Werk in den kleinsten Details der Schöpfung zu finden ist.

Als der Novize sie erhielt, füllte sich sein Herz mit Glück und Liebe, denn er hatte noch nie so schöne Weintrauben gesehen.

Im selben Moment erinnerte er sich an das erste Mal, als er ins Kloster kam und an die Person, die ihm die Tür öffnete.

Diese Geste war es, die es ihm ermöglichte, in dieser Gemeinschaft von Menschen zu sein, die wissen, wie man Wunder wertschätzt.

Und bevor die Nacht hereinbrach, brachte der Novize die Trauben zum Bruder Türhüter.

„Iss sie und genieße sie“, sagte er, „du verbringst hier die meiste Zeit allein und diese Trauben werden dir die Zeit bestimmt versüßen.“

Der Türhüter verstand, dass das Geschenk also wirklich für ihn bestimmt war und so genoss er jede einzelne Traube und schlief glücklich ein.

Und der Kreis des Glücks und der Freude, der sich immer um großzügige Menschen ausbreitet, war nun wieder geschlossen.

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