Die kleine Erbse, die andere erfreuen wollte

Onkel Guido
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Die kleine Erbse, die andere erfreuen wollte
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In dieser Geschichte geht es um eine kleine Erbse, die nach der Ernte plötzlich ganz allein ist und nicht weiß, was sie jetzt machen soll. Wen sie alles trifft, was sie dann macht und ob sie anderen eine Freude machen kann, erfährst du in den nächsten Minuten.

Bei Gärtner Tim stand die Erbsenernte an.

Er, seine Frau und die Kinder mussten die Schoten von den Ranken pflücken.

„Bis zum Abend sollten sie vom Beet sein, der Wetterbericht sagt Bodenfrost an. Mitten im Sommer“, schimpfte Gärtner Tim.

„Was, jetzt schon Frost?“, staunte die Mutter. „Na dann los, Kinder. Wir sputen uns.“

Vier kleine Erntehelfer kletterten aus dem Auto.

Linda rückte schnell noch ihre Kappe zurecht, Karl schnäuzte in den Ärmel seines Lieblingsshirts und Mia fingerte heimlich einen Popel aus der Nase.

Dann griffen alle nach ihren Eimerchen und suchten sich eine Reihe mit Erbsen aus.

Nur der kleine Tom hatte so gar keine Lust auf Arbeit.

Also trödelte Tom – er kniff hier eine Schote ab, trat da gegen einen Stein.

Er setzte sich dann auf einen Grashügel und begann, Erbsen zu naschen.

Eine Schote nach der andere pellte er und ließ die kleinen Kügelchen über seine Handfläche kullern, bevor er sie sich in den Mund steckte.

„Hmmmm. Das schmeckt“, murmelte er zwischen den Zähnen hindurch, während er bereits nach der nächsten Schote griff.

„Tom, keine Müdigkeit vortäuschen“, mahnte seine Mutter. „Bei uns helfen alle mit.“

Tom nickte und tat so, als würde er wie ein Weltmeister pflücken. Dabei hüpfte er nur zwischen den Reihen umher.

„Jetzt muss ich meinen Eimer leeren“, rief er und rannte los.

Auf dem Rasen stand ein großer geflochtener Korb, in den die vollen Eimer entleert werden sollten.

Tom wähnte sich außer Sichtweite.

Endlich Pause machen, aber wovon eigentlich?

Er griff in die Hosentasche, in der er noch eine Schote aufbewahrte.

„Dich verspeise ich jetzt.“ Er zippte sie auf und sah hinein. „Igitt! Ekelig!“, rief er.

Was war denn das?

In der Schote wälzte sich eine dicke weiße Made und blickte ihn stolz an.

Bis auf eine letzte Erbse hatte sie die Schote schon komplett leer gefuttert.

Tom klaubte die Erbse heraus, betrachtete sie genauer und entschied, dass er sie auf keinen Fall essen würde.

„Bah, ekelig“, sagte Tom und ließ die Erbse auf den Boden fallen.

Die Erbse erschreckte sich. Sie sollte ekelig sein?

Das machte sie traurig.

Sie kullerte los, weg von Tom.

Über den Rasen, quer über den Weg, der zum Gewächshaus führte und dann direkt in ein Beet.

Dort blieb sie dann stehen.

„Was mache ich jetzt?“, jammerte sie laut. Sie würde sich einsam fühlen.

Alle anderen Erbsen waren längst geerntet und hatten ihren Weg ins Kühlhaus, die Bratpfanne oder das Einweckglas gefunden.

Das Jammern hörte ein kleiner Apfel, der auch auf dem Boden lag.

Der kleine Apfel wurde bei der Apfelernte einfach vergessen.

„Du bist nicht allein. Ich bin auch noch da. Vorerst wenigstens. Es dauert nicht mehr lange, dann freuen sich die Amseln an mir.“

Das machte die Erbse noch trauriger.

Schön, wenn man jemandem eine Freude machen konnte.

Die Erbse blickte den Apfel neidisch an.

Wie er da lag, mit rot geschwellter Brust. Glänzte vor sich hin und zog fremde Blicke an.

Aber wer sollte eine kleine Erbse finden?

Hier, zwischen all den Erdkrümeln und dem Kraut, das sie mit Blättern und Blüten in den leuchtendsten Farben überragte?

Niemals würde sich jemand um sie kümmern und sie wollen.

Die kleine Erbse seufzte und schloss die Augen.

Da rollte eine Klette neben sie. „Was machst du denn hier?“, wunderte sie sich. „Solltest du nicht in dem Korb vom Gärtner Tim liegen und ins Winterlager umziehen?“

Die Erbse schaute die Klette verwundert an.

„Wie kommt es, dass du dir hier die Zeit vertreibst?“, fragte die Klette.

„Ich vertreibe mir gar nichts“, sagte die Erbse. „Ich bin einsam. Ich weiß nicht einmal, was ich die restlichen Tage bis zum Winter über machen soll“, antwortete die einsame Erbse.

„Mach es wie ich“, schlug die Klette vor.

„Ich vervielfache mich. Gleich fange ich damit an, mich ganz und gar in die Erde einzubuddeln. Im nächsten Jahr wachsen aus meinen Samen dann viele neue Kletten. Die blühen im Sommer. Dann lassen sich auf ihnen die Schmetterlinge nieder und legen ihre Eier ab. Die Larven, die daraus schlüpfen, finden Futter, damit sie kräftig werden und freuen sich.“

„Das ist eine gute Idee“, fand die Erbse und bedankte sich.

Sie würde auch buddeln, bis sie ganz unter der Erde verschwunden war.

Da sie aber nur eine winzige Erbse mit wenig Kraft in ihrem Körper war, wurde sie bald müde und schlummerte ein.

„Der Tag war doch nicht so langweilig, wie ich dachte“, war der Gedanke, der sie in süße Träume gleiten ließ.

Am folgenden und am darauffolgenden Tag und viele weitere Tage verbrachte die Erbse damit, sich in den Boden zu buddeln.

Ein kleiner Maulwurf half ihr dabei.

Und endlich war sie ganz bedeckt und eingebuddelt.

Die kleine Erbse war sehr zufrieden mit sich.

Als im folgenden Frühling Gärtner Tim mit seiner Familie in den Garten kam, um die Beete vorzubereiten, entdeckte der kleine Tom eine kleine Erbsenpflanze, die neugierig zarte Triebe aus der Erde schob.

Er zeigte seinem Vater das Pflänzchen.

„Also diese kleine Erbsenpflanze ist ja ein kleines Wunder. Das Erbschen pflegen wir“, entschied dieser. 

„Wenn wir lange genug warten, entwickeln sich viele leckere Schoten an ihr. Und die Larven der Schmetterlinge freuen sich auch über Nahrung.“ 

Hallo, ich bin Onkel Guido
… ich komme aus dem schönen Köln, bin selbst Vater und seit neustem auch Opa. :) Auf dieser Seite findest du Geschichten für Kinder und Erwachsene. Schön, dass du da bist!
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