Ein besonderes Krippenspiel

Onkel Guido
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Ein besonderes Krippenspiel
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Nach der Schule steht Lukas am Fenster und blickt hinaus in den Garten.

„Wann schneit es endlich? Bald ist Weihnachten, aber noch immer liegt kein Schnee im Garten“, denkt Lukas grummelig.

Dafür hat Lukas' Mama die Wohnung bereits weihnachtlich geschmückt.

Kleine Rentiere stehen auf der Kommode und am Abend zündet sein Vater bereits die dritte Kerze am Adventskranz an.

Ob Lukas dann ein paar Kekse naschen darf?

Aus einem unbekannten Grund ist Lukas in diesem Jahr viel aufgeregter als sonst.

Immer wieder geht er in sein Kinderzimmer und betrachtet seine braune Schürze mit einem kleinen, dicken Polster.

Die Schürze hat ihm seine Großmutter genäht und an dem Polster hat sie Bänder befestigt. 

Lukas ist stolz, denn er darf in der Schule beim Krippenspiel den Wirt spielen.

Einen grimmigen Mann, der mit lauter Stimme Josef und Maria wegjagt und ihnen kein Zimmer geben möchte.

Obwohl Josef den Wirt immer wieder um Einlass bietet, weil doch das kleine Jesuskind bald auf die Welt kommen würde.

Die Schüler haben die Texte gelernt und für die Schulaufführung fleißig geprobt.

Im Werkunterricht haben die Kinder mit Unterstützung der Lehrer sogar ein Bühnenbild aus dickem Karton gebastelt.

Da steht jetzt ein Haus, in dem Reisende essen und schlafen können, daneben steht ein kleiner Stall.

Der Turnsaal in der Schule ist festlich geschmückt, alle Lichter brennen und die Eltern haben bereits Platz genommen.

Die Lehrerin begrüßt die Gäste und endlich wird der Vorhang zur Seite geschoben.

Das Krippenspiel beginnt.

Als erster betritt Lukas die Bühne, schließlich spielt er ja den Wirt, der auf Gäste wartet.

Dann betreten Josef und Maria ganz langsam die Bühne.

Das Spiel beginnt, die Eltern sind ganz ruhig und verfolgen mit Spannung und natürlich auch mit Stolz das Krippenspiel.

Josef und Maria sind sehr müde von der langen Reise und es wird bereits dunkel.

Sie benötigen einen Platz zum Schlafen und hungrig sind sie auch. Josef klopft an die Türe, ein Fenster öffnet sich und der Wirt Lukas mit seinem dicken Polsterbauch und der braunen Schürze blickt durch das ausgeschnittene Kartonfenster.

„Lieber Wirt, hättet ihr bitte ein Zimmer frei?“, fragt Josef mit müder Stimme.

Lukas lächelt und sagt mit freundlicher, ruhiger Stimme: „Ja, ich habe Platz für euch, ihr wirkt müde und ihr seid sicher hungrig, kommt doch herein und stärkt euch.“

Im Turnsaal ist es plötzlich ganz, ganz still.

Die Eltern werfen sich fragende Blicke zu und einige versuchen das Lachen zu unterdrücken.

Die Kinder haben mehrmals geprobt und Lukas hatte bei den Proben mit lauter Stimme Josef und Maria weggejagt.

So steht es im Weihnachtsevangelium, das in vielen Familien zu Weihnachten vorgelesen wird.

Das ist auch der Grund dafür, warum Maria ihr Kind in einem Stall zur Welt bringen musste.

Josef, gespielt von Klaus, wirft einen fragenden Blick auf die Lehrerin.

Die Lehrerin zuckt mit den Schultern und Maria, gespielt von Pia, versucht die Situation zu retten.

Sie fragt den Wirt: „Sind Sie ganz sicher, dass noch ein Zimmer frei ist oder möchten Sie nur freundlich sein?“

„Nein, nein, ist von Lukas zu hören, ich habe Platz!“

Josef zerrt Maria zum Stall, um das Krippenspiel zu retten.

„Du tust mir weh“, sagt Maria ganz leise auf der Bühne.

Der Rest der Aufführung verläuft genauso, wie es die Kinder geprobt haben.

Es gab keine Zwischenfälle mehr.

Am Ende applaudieren die Eltern und alle singen gemeinsam ein paar Weihnachtslieder, bevor der Vorhang wieder die Bühne verdeckt.

Hinter dem Vorhang ist jedoch von Freude und Besinnlichkeit nichts zu merken.

Die Lehrerin muss sogar Lukas in Schutz nehmen, so böse sind seine Mitschüler auf ihn.

Mit weinerlicher Stimme sagt Lukas: „Wir haben zu Hause immer Platz für Gäste, in Notfällen holt mein Vater sogar die Luftmatratze aus der Garage. Meine Mama sagt immer, wenn es jemanden nicht gut geht, darf man nicht wegsehen, sondern muss eine Lösung finden. Bei uns haben schon mehrere Leute übernachtet, die kein Zuhause haben.“

Lukas Eltern sind hinter den Vorhang gekommen.

Die Mutter streichelt ihm liebevoll über sein Haar und sagt, dass er alles richtig gemacht hat. 

„Weißt du, das Wort Advent kommt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt so viel wie Ankunft. Wer zu uns nach Hause kommt und um Hilfe bietet, der wird nicht weggeschickt. Wir rücken einfach ein bisschen zusammen und teilen unsere Sachen.“

Lukas kann schon wieder lächeln und seine Mitschüler sind auch nicht mehr böse.

Plötzlich hat die Lehrerin eine Idee. "Lukas" sagt sie, "nächstes Jahr soll dir deine Großmutter große Flügel nähen und du spielst einen Engel. Dann kannst du ganz freundlich sein."

Hallo, ich bin Onkel Guido
… ich komme aus dem schönen Köln, bin selbst Vater und seit neustem auch Opa. :) Auf dieser Seite findest du Geschichten für Kinder und Erwachsene. Schön, dass du da bist!
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