Lilly ist ganz schön nervös vor ihrem ersten Schultag.
Sie fragt sich, ob sie alles richtig machen wird – und ob sie überhaupt Freunde findet.
Doch in der Nacht vor dem großen Tag geschieht etwas Magisches:
Ein kleiner Ranzenfuchs erscheint und begleitet sie – mit Witz, Wärme und einer Portion Mut.
Viel Spaß mit dieser Gute-Nacht-Geschichte.
...
Lilly saß auf ihrem Bett und starrte ihren neuen Schulranzen an.
Er war rot, mit glitzernden Sternen und einem kleinen Reißverschlussfach an der Seite.
Mama hatte ihn liebevoll ausgesucht.
„Der ist perfekt für dich, Lilly“, hatte sie gesagt.
Aber Lilly war sich nicht sicher.
Morgen war ihr erster Schultag.
Und je länger sie den Ranzen ansah, desto mehr kribbelte es in ihrem Bauch.
„Was, wenn ich niemanden kenne?“
„Was, wenn ich etwas falsch mache?“
„Was, wenn ich nicht weiß, wo ich hin muss?“
Sie zog die Decke bis zur Nase hoch und murmelte: „Ich wünschte, ich hätte jemanden, der mitkommt.“
In dieser Nacht konnte Lilly kaum schlafen.
Der Mond stand hell am Himmel, und der Ranzen schimmerte im Mondlicht.
Plötzlich bewegte sich etwas.
Ein leises Rascheln kam aus dem Ranzenfach.
Lilly blinzelte.
Ein kleiner, orangefarbener Kopf mit spitzen Öhrchen schaute heraus.
„Huh?“, machte Lilly.
„Pssst“, flüsterte eine sanfte Stimme.
„Ich bin der Ranzenfuchs.“
„Der was?“, fragte Lilly und rieb sich die Augen.
„Ranzenfuchs. Ich komme nur in besonders wichtige Ranzen. Für besonders mutige Kinder.“
Lilly setzte sich auf.
„Aber ich bin doch gar nicht mutig.“
Der kleine Fuchs kletterte ganz aus dem Fach und setzte sich auf das Bett.
Er hatte große bernsteinfarbene Augen und ein flauschiges Schwänzchen.
„Mut heißt nicht, keine Angst zu haben“, sagte er.
„Mut heißt, trotzdem loszugehen.“
Lilly schwieg.
Dann flüsterte sie: „Hast du denn keine Angst?“
Der Fuchs grinste.
„Natürlich habe ich Angst. Vor Staubsaugern, vor Regenwürmern und vor zu engen Taschen.“
Lilly kicherte.
„Aber du gehst trotzdem mit mir in die Schule?“
„Na klar. Ich bin dein Schulstarter-Freund.“
Am nächsten Morgen war Lilly zwar noch aufgeregt, aber auch ein bisschen neugierig.
Sie zog ihren Ranzen an – und fühlte ein kleines Zucken.
„Ich bin drin“, piepste der Ranzenfuchs.
„Los geht’s!“
Mama begleitete sie bis zum Schultor.
„Du schaffst das, mein Schatz“, sagte sie und drückte Lilly die Hand.
Lilly schluckte.
Sie sah all die anderen Kinder. Manche lachten, manche sahen genauso nervös aus wie sie.
„Ich weiß nicht, ob ich das kann“, flüsterte sie.
„Doch“, hörte sie es leise aus dem Ranzen.
„Du kannst das. Ich bin ja da.“
Lilly trat einen Schritt nach vorn.
Dann noch einen.
Ein Mädchen mit zwei Zöpfen winkte ihr zu.
„Hi, ich heiße Nora. Willst du neben mir sitzen?“
Lilly lächelte.
„Ja, gern.“
Im Ranzen machte es ein leises Freudenschnurren.
In der Klasse stellte sich die Lehrerin vor.
Dann wurde gemalt, erzählt, gesungen.
Der Tag verging wie im Flug.
In der Pause saß Lilly mit Nora auf der Bank.
„Ich hatte so Angst vor heute“, sagte sie.
Nora nickte.
„Ich auch. Aber jetzt ist’s gar nicht schlimm.“
Lilly grinste.
Sie wusste, dass der Ranzenfuchs zuhört.
Zu Hause angekommen, öffnete sie das Ranzenfach.
Der kleine Fuchs blinzelte ihr entgegen.
„Na?“, fragte er.
„War gar nicht so schlimm, oder?“
„Nein“, sagte Lilly.
„Es war sogar richtig schön.“
Der Fuchs gähnte.
„Ich bleib noch ein paar Tage. Für alle Fälle.“
Lilly nickte.
Sie wusste jetzt: Mut kann auch in einem Ranzen wohnen.
Auf dieser Webseite findest du tolle Geschichten zum Vorlesen für kleine und große Kindern. Entweder einfach zwischendurch zum Entspannen oder abends als „Gute Nacht“-Geschichte, diese kindergerechten Geschichten passen immer.
Wir wünschen dir ganz viel Spaß beim Lesen oder Anhören.
…
P.S.: Du kannst Onkel Guidos Geschichten auch auf den folgenden Plattformen anhören.