Wilde Pferde im Mondtal

Onkel Guido
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Wilde Pferde im Mondtal
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Manchmal schlafen Wiesen nicht sofort ein.

Manchmal flüstern sie erst noch ein Geheimnis.

Viel Spaß mit dieser Gute Nacht Geschichte.

...

Im Mondtal lag der Abend wie eine weiche Decke.

Der Himmel war dunkelblau und freundlich.

Eine dünne Mondsichel hing wie ein Lächeln über den Hügeln.

Das Gras glitzerte, als hätte es kleine Sternchen verschluckt.

Und mitten in diesem Gras stand eine Herde wilder Pferde.

Sie waren nicht laut.

Sie waren nicht hektisch.

Sie waren einfach da.

Ihre Mähnen bewegten sich im Wind wie Wellen.

Ihre Ohren zuckten, weil sie das Tal gut kannten.

Die Leitstute hieß Mira.

Mira hatte Augen, die alles sahen.

Neben ihr ging der junge Hengst Jaro.

Jaro war mutig, aber heute war er besonders still.

Denn heute flüsterte das Gras.

Es flüsterte nicht wie Menschen.

Es flüsterte wie etwas, das alt ist und trotzdem liebevoll.

Jaro senkte den Kopf.

Er schnupperte.

Er hörte genauer hin.

Mira stupste ihn sanft an.

„Was hast du, Jaro.“

„Das Gras sagt etwas.“

Mira blinzelte langsam.

„Das Gras sagt jeden Abend etwas.“

„Aber heute sagt es meinen Namen.“

Ein Fohlen kam angelaufen.

Es hieß Tilli.

Tilli stolperte fast über seine eigenen Hufe.

„Jaro, Jaro, ich habe auch etwas gehört.“

„Was denn.“

„Es klang wie ein kleines Kichern.“

Mira stellte die Ohren auf.

Sie machte einen Schritt zur Bachbiegung.

Dort war das Gras höher.

Dort war es am dunkelsten.

Und dort schimmerte etwas Orangebraunes.

Es war so klein, dass man es leicht übersah.

Es war ein Fuchs.

Er saß still wie ein winziger Schatten.

Nur seine Augen glänzten.

Der Fuchs hielt sich ganz unauffällig.

Als würde er sagen, dass er nur schauen möchte.

Mira tat so, als hätte sie ihn nicht bemerkt.

Denn wilde Pferde drängen niemanden.

Sie lassen Raum.

Sie lassen Ruhe.

Das Gras flüsterte wieder.

Es klang, als würde es sagen, dass etwas fehlt.

Mira ging weiter.

Jaro folgte.

Tilli folgte auch.

Die ganze Herde zog langsam mit.

Nicht wie eine Gruppe.

Sondern wie ein einziger ruhiger Atem.

Am Bach lag ein Stein.

Der Stein war rund und glatt.

Und auf dem Stein lag ein Stück Rinde.

Es sah aus wie ein kleines Boot.

Jaro schnupperte an der Rinde.

„Warum liegt das hier.“

Mira betrachtete den Bach.

Der Bach war leise.

Aber heute war er leiser als sonst.

Er plätscherte nicht.

Er seufzte nur.

Tilli legte den Kopf schief.

„Vielleicht ist der Bach müde.“

Mira nickte, als wäre das eine kluge Idee.

Dann ging sie den Bach entlang.

Sie fand die Stelle, wo das Wasser sonst über kleine Kiesel tanzte.

Doch dort lag jetzt ein dicker Ast.

Der Ast war quer.

Er hielt den Bach wie ein Arm fest.

Das Wasser staute sich.

Und das Tal wurde ein bisschen durstiger.

Jaro scharrte mit dem Huf.

„Den Ast müssen wir weg bekommen.“

Mira atmete tief aus.

„Wir tun das leise.“

„Leise geht das nicht.“

„Doch.“

Mira zeigte es zuerst.

Sie schob mit der Schulter.

Nicht ruckartig.

Nicht wütend.

Nur geduldig.

Jaro tat es ihr nach.

Tilli drückte auch, so gut es ging.

Der Ast bewegte sich langsam.

Ganz langsam.

Da raschelte es im Gras.

Der kleine Fuchs war näher gekommen.

Er war nicht frech.

Er war nicht laut.

Er war einfach neugierig.

Er stellte sich an eine Stelle, wo der Ast am dünnsten war.

Und er biss an einer Rinde herum, als würde er helfen.

Das sah sehr niedlich aus.

Tilli kicherte kurz.

Dann wurde Tilli wieder still.

Denn es war eine Arbeit, die Ruhe brauchte.

Mira drückte noch einmal.

Jaro drückte mit.

Der Ast rutschte zur Seite.

Der Bach atmete auf.

Das Wasser sprang wieder über die Kiesel.

Es klang wie ein kleines Lied.

Das Gras flüsterte nicht mehr traurig.

Es flüsterte zufrieden.

Jaro stand da und hörte.

„Jetzt sagt das Gras Danke.“

Mira schloss kurz die Augen.

„Manchmal sagt die Welt Danke, wenn man leise hilft.“

Tilli sah den Fuchs an.

Der Fuchs tat so, als hätte er gar nichts gemacht.

Er setzte sich hin.

Er gähnte.

Und dann verschwand er wieder im hohen Gras.

Nur die Spitze seines Schwanzes wackelte noch kurz.

Die Herde ging zurück auf die Wiese.

Der Mond stieg höher.

Die Sterne wurden mehr.

Mira stellte sich so hin, dass alle Fohlen nah bei ihr waren.

Jaro legte sich ins Gras.

Tilli legte sich direkt daneben.

Der Wind strich über die Mähnen.

Der Bach sang leise weiter.

Und das Mondtal wurde so ruhig, dass sogar Gedanken einschlafen konnten.

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… ich komme aus dem schönen Köln, bin selbst Vater und seit neustem auch Opa. :) Auf dieser Seite findest du Geschichten für Kinder und Erwachsene. Schön, dass du da bist!
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