

Antonio ist ein kleiner Waschbär, der jeden Abend am Bach sitzt und seine Lieblingsdinge wäscht.
Doch heute Abend stimmt etwas ganz und gar nicht.
Viel Spaß mit dieser Gute-Nacht-Geschichte.
...
Antonio der Waschbär hatte ein ganz besonderes Schätzchen.
Es war ein kleiner, runder Stein.
Der Stein schimmerte in allen Farben des Regenbogens, wenn das Mondlicht darauf fiel.
Jeden Abend brachte Antonio ihn zum Bach.
Er wusch ihn behutsam mit seinen kleinen schwarzen Pfötchen und legte ihn dann sorgfältig auf seinen Lieblingsplatz neben der alten Weide.
Doch an diesem Abend war der Stein verschwunden.
Antonio schaute unter die Wurzeln der Weide.
Er schaute zwischen den Steinen am Bachufer.
Er schaute sogar in den kleinen Erdhügel, den die Maulwürfe aufgeworfen hatten.
Nichts.
Ein kleines Grummeln stieg in seiner Brust auf.
Er setzte sich ans Ufer und ließ die Pfoten hängen.
Das Wasser plätscherte leise, wie immer.
Aber heute Abend klang es gar nicht so tröstlich wie sonst.
Da kam Hedwig die Igelin den Trampelpfad entlanggetrottet.
Sie hatte einen kleinen Korb mit Pilzen dabei und bemerkte sofort, dass irgendetwas nicht stimmte.
„Antonio", sagte sie, „warum hängen deine Ohren so?"
Antonio seufzte und erzählte ihr von dem Regenbogenstein.
Hedwig überlegte einen Moment.
„Ich habe heute Nachmittag am Bach etwas Glitzerndes gesehen", sagte sie schließlich.
„Aber ich konnte nicht sagen, was es war, denn ich bin schnell weitergegangen."
Antonio sprang auf.
„Wo genau?"
„Dort, beim großen Weidenstumpf am anderen Ufer."
Antonio wollte schon losrennen, aber der Bach war hier besonders breit und das Wasser lief kalt und dunkel.
Er konnte zwar gut schwimmen, aber bei Nacht war das gar nicht so einfach.
Da hüpfte plötzlich Finn der Frosch auf einen Stein mitten im Bach.
Sein Bauch leuchtete hell wie ein kleines Laternchen.
„Ich habe gehört, was ihr sagt!", quakte er fröhlich.
„Ich kenne jeden Stein in diesem Bach.
Komm, Antonio, tritt auf meinen Rücken, dann trägst du trockene Pfoten ans andere Ufer."
Antonio lachte ein wenig.
Finn war wirklich nicht groß genug, um ihn zu tragen.
Aber Finn meinte das ganz ernst.
Er rief seinen Bruder Felix.
Und seinen Cousin Ferdinand.
Und dann noch drei weitere Frösche, die in den Schilfrohren schliefen.
Einer nach dem anderen setzten sie sich auf die Steine im Bach, dicht an dicht, bis eine kleine Brücke aus grünen Froschköpfen vom einen Ufer bis zum anderen führte.
Antonio staunte.
Er trat behutsam von Stein zu Frosch zu Frosch, vorsichtig und langsam, bis er das andere Ufer erreichte.
Dort, hinter dem alten Weidenstumpf, lag sein Regenbogenstein.
Er war vom Nachmittagswind in die weichen Moosfasern gerollt und hatte sich dort versteckt wie ein müdes Mäuschen.
Antonio nahm ihn in beide Pfoten.
Er hielt ihn hoch.
Das Mondlicht traf den Stein.
Und da leuchtete er wieder in allen Farben.
Grün und blau und gold und ein kleines bisschen rosa ganz am Rand.
Antonio watete zurück, diesmal nicht über die Frösche, sondern durch das seichte Wasser weiter unten, wo der Bach so flach war wie eine Pfütze.
Er kam zu Hedwig zurück.
„Gefunden!", rief er.
Hedwig lachte ihr kleines Igelkichern.
Finn und seine Froschschar quakten aus dem Dunkel herüber.
Antonio setzte sich wieder an seinen Lieblingsplatz.
Er wusch den Stein noch einmal ganz sorgfältig.
Dann legte er ihn auf eine flache Stelle zwischen zwei Weidenwurzeln, dort wo er nicht mehr wegrollen konnte.
Der Bach plätscherte.
Die Grillen zirpten.
Irgendwo huschte ein kleiner Fuchs lautlos durch das hohe Gras am Ufer und verschwand wieder im Dunkeln.
Antonio lächelte.
Er rollte sich zusammen.
Der Regenbogenstein lag direkt neben seiner Nase und glitzerte leise vor sich hin.
Und Antonio der Waschbär schloss die Augen.

Auf dieser Webseite findest du tolle Geschichten zum Vorlesen für kleine und große Kinder. Entweder einfach zwischendurch zum Entspannen oder abends als „Gute Nacht“-Geschichte, diese kindergerechten Geschichten passen immer.
Wir wünschen dir ganz viel Spaß beim Lesen oder Anhören.
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