

Manchmal sind Piraten gar nicht laut und wild, sondern leise, neugierig und voller Herz.
Diese Geschichte nimmt kleine Zuhörer mit auf ein sanftes Abenteuer über Mut, Freundschaft und das Zuhören.
Viel Spaß mit dieser Gute-Nacht-Geschichte.
...
Das Meer lag still da wie ein schlafender Riese.
Die Sonne war gerade untergegangen.
Der Himmel schimmerte in warmem Orange und Rosa.
Auf den sanften Wellen schaukelte ein kleines Piratenschiff.
Es hieß "Die Seemöwe".
An Bord waren drei wilde Piratenkinder.
Kapitänin Leni mit den lockigen Haaren.
Der flinke Tom mit dem roten Tuch um den Kopf.
Und der ruhige Mats, der immer alles genau beobachtete.
Alle nannten sie die wilden Piraten.
Aber eigentlich waren sie gar nicht so wild.
Sie lachten gern.
Sie halfen sich gegenseitig.
Und sie liebten das Meer.
„Heute fühlt sich das Wasser ganz anders an“, sagte Leni leise.
„Ja“, flüsterte Tom, „es ist so ruhig, als würde es uns etwas erzählen wollen.“
Mats kniete am Rand des Schiffes und ließ seine Finger über die Wellen gleiten.
„Vielleicht sollten wir zuhören“, meinte er.
Die Segel flatterten kaum.
Der Wind war weich wie eine Decke.
Plötzlich hörten sie ein ganz leises Plätschern.
Nicht laut.
Nicht wild.
Sondern freundlich.
„Habt ihr das gehört?“, fragte Leni.
Tom nickte.
„Das klingt wie ein Flüstern.“
Das Schiff trieb langsam weiter.
Vor ihnen tauchte eine kleine Insel auf.
Sie war rund und grün.
Palmen wiegten sich sanft.
Ein schmaler Strand glühte im Abendlicht.
„Da waren wir noch nie“, sagte Mats.
Die wilden Piraten warfen den Anker aus.
Sie sprangen barfuß in den warmen Sand.
Der Strand fühlte sich weich an.
Fast wie Puder.
Zwischen zwei Steinen huschte etwas Kleines vorbei.
Ein winziger Fuchs mit buschigem Schwanz.
Er blieb kurz stehen.
Schaute die Kinder neugierig an.
Und verschwand wieder im Gebüsch.
„Habt ihr den gesehen?“, flüsterte Tom.
Leni lächelte.
„Vielleicht wohnt er hier.“
Die Piraten gingen vorsichtig weiter.
Mitten auf der Insel stand eine alte Truhe.
Sie war aus Holz.
Mit Muscheln verziert.
„Ein Schatz“, hauchte Tom.
Mats schüttelte den Kopf.
„Nicht jeder Schatz glänzt.“
Leni öffnete langsam den Deckel.
Darin lag kein Gold.
Keine Münzen.
Kein Schmuck.
Nur eine kleine Flasche.
Mit einer gerollten Nachricht.
Leni zog den Zettel heraus.
„Lies vor“, bat Tom.
Leni räusperte sich.
„Wer die leisen Wellen hört,
der findet, was wirklich zählt.“
Alle drei sahen sich an.
„Das ist alles?“, fragte Tom.
In diesem Moment begann das Meer wieder zu flüstern.
Sanft.
Ruhig.
Die Wellen bewegten sich im gleichen Takt.
Wie ein Schlaflied.
Mats schloss die Augen.
„Ich glaube, das Meer wollte, dass wir langsamer werden.“
Leni nickte.
„Und zusammen bleiben.“
Tom setzte sich in den Sand.
„Dann sind wir wohl die wildesten Piraten der Welt.“
Sie lachten leise.
Der kleine Fuchs kam wieder hervor.
Er setzte sich ein Stück entfernt.
Ganz still.
Als würde er zuhören.
Die Sonne war nun ganz verschwunden.
Die Sterne funkelten.
Die Piraten kehrten zu ihrem Schiff zurück.
Sie legten sich nebeneinander an Deck.
Die Seemöwe schaukelte sanft.
Das Meer sang sein leises Lied.
„Morgen segeln wir weiter“, murmelte Leni.
„Ja“, sagte Tom schläfrig, „aber nicht zu schnell.“
Mats lächelte im Halbschlaf.
„Wilde Piraten können auch leise sein.“
Der Mond wachte über sie.
Das Meer atmete ruhig.
Und die Nacht breitete sich sanft aus.

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Wir wünschen dir ganz viel Spaß beim Lesen oder Anhören.
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