

Nach einer stillen Nacht auf dem Meer erwachen die wilden Piraten an einem Ort, der anders ist als alle Inseln zuvor.
Alles scheint zu lauschen, selbst der Wind hält kurz den Atem an.
Viel Spaß mit dieser Gute-Nacht-Geschichte.
...
Die Sonne kroch langsam über den Horizont.
Ein neuer Morgen begann.
Die Seemöwe lag ruhig im Wasser.
Ganz nah bei der kleinen grünen Insel.
Leni blinzelte verschlafen.
Tom streckte sich und gähnte.
Mats saß bereits wach an der Reling.
„Hört ihr das?“, fragte er leise.
Leni setzte sich auf.
Tom hielt kurz die Luft an.
Da war es.
Ein sanftes Rauschen.
Nicht vom Meer.
Nicht vom Wind.
Sondern von der Insel selbst.
„Die Insel klingt, als würde sie atmen“, flüsterte Leni.
Tom rieb sich die Augen.
„Inseln können doch nicht atmen.“
Mats lächelte.
„Vielleicht doch.“
Die wilden Piraten stiegen an Land.
Der Sand war noch warm vom Vortag.
Zwischen den Palmen lag Tau auf den Blättern.
Alles wirkte ruhig.
Fast so, als würde die Insel schlafen.
„Wir sollten leise sein“, sagte Leni.
Tom nickte sofort.
„Sehr leise.“
Sie gingen langsam weiter.
Ihre Schritte hinterließen kaum Spuren.
Plötzlich bewegte sich etwas im Gras.
Ein kleiner Fuchs lugte hervor.
Sein Fell schimmerte rotgolden im Morgenlicht.
Er schaute die Kinder neugierig an.
Dann setzte er sich einfach hin.
„Hallo“, flüsterte Tom vorsichtig.
Der Fuchs blieb ruhig.
„Er hat keine Angst“, stellte Mats fest.
Leni kniete sich hin.
„Vielleicht kennt er uns schon.“
Der Fuchs blinzelte.
Und verschwand zwischen den Büschen.
Weiter vorne entdeckten sie einen schmalen Pfad.
Er führte zu einer Lichtung.
In der Mitte stand ein alter Baum.
Sein Stamm war dick und rund.
Seine Äste breiteten sich wie Arme aus.
Ein ganz sanftes Brummen lag in der Luft.
„Das ist es“, sagte Mats.
„Das Atmen.“
Tom legte sein Ohr an den Stamm.
„Es fühlt sich warm an.“
Leni schloss die Augen.
„Der Baum lebt.“
Plötzlich raschelten die Blätter.
Ganz leicht.
„Danke“, flüsterte eine Stimme.
Die Kinder sahen sich erschrocken an.
„Habt ihr das gehört?“, fragte Tom.
Leni nickte langsam.
„Die Insel spricht.“
„Ihr habt zugehört“, flüsterte die Stimme erneut.
„Darum dürft ihr bleiben.“
Die wilden Piraten setzten sich unter den Baum.
Niemand sagte etwas.
Und doch fühlte es sich richtig an.
Der Wind strich sanft vorbei.
Vögel zwitscherten leise.
Die Insel atmete ruhig weiter.
Nach einer Weile stand Mats auf.
„Wir sollten uns bedanken.“
Leni legte ihre Hand auf den Stamm.
„Danke für die Ruhe“, sagte sie.
Tom lächelte.
„Und für das Geheimnis.“
Der Fuchs erschien noch einmal.
Er setzte sich ganz nah zu ihnen.
Dann sprang er davon.
Zurück am Strand wartete die Seemöwe.
Die Piraten stiegen an Bord.
Das Schiff glitt langsam los.
Niemand winkte.
Niemand rief.
Sie nahmen die Stille mit.
„Wilde Piraten hören zu“, murmelte Tom.
Leni lächelte.
„Und sie respektieren, was leise ist.“
Mats sah zur Insel zurück.
Sie schien zufrieden.
Das Meer schaukelte sie sanft davon.
Der Tag begann ruhig.
Und die Abenteuer warteten.
Ganz geduldig.

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Wir wünschen dir ganz viel Spaß beim Lesen oder Anhören.
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