

Im Kölner Zoo gibt es viele große Tiere.
Elefanten, Giraffen, Affen und Flamingos.
Aber manchmal sind es gerade die kleinen Tiere, die besonders viel erleben.
So wie die Streifenhörnchen Pünktchen, Flitz und Nussi, die sich an diesem Morgen auf ihr Frühstück und die ersten Besucher freuten.
Viel Spaß mit dieser Gute-Nacht-Geschichte.
...
Es war noch früh am Morgen im Kölner Zoo.
Die Sonne schien weich durch die Blätter, und über den Wegen lag ein freundlicher, goldener Glanz.
In einem gemütlichen Gehege wohnten drei kleine Streifenhörnchen.
Sie hießen Pünktchen, Flitz und Nussi.
Pünktchen war die Kleinste und hatte besonders wache Augen.
Flitz war der Schnellste und konnte über jeden Ast sausen, ohne zu stolpern.
Nussi war die Gemütlichste.
Sie liebte Frühstück.
Und manchmal dachte sie schon beim Frühstück an den nächsten kleinen Snack.
An diesem Morgen saß Nussi auf einem flachen Stein und schnupperte in die Luft.
„Ich rieche etwas“, sagte sie.
Pünktchen stellte sich auf die Hinterbeine.
„Besucher?“
Flitz sprang von einem Ast zum anderen.
„Nein, dafür ist es noch zu früh.“
Nussi schloss die Augen und schnupperte noch einmal.
„Ich rieche Frühstück.“
Da wurden Pünktchens Augen rund.
Flitz hielt mitten auf dem Ast an.
„Frühstück?“
Nussi nickte feierlich.
„Apfel.“
„Möhre.“
„Körner.“
„Und vielleicht ein winziges Stückchen Nuss.“
Flitz machte einen kleinen Luftsprung.
„Dann müssen wir uns beeilen!“
Pünktchen lachte.
„Das Frühstück läuft doch nicht weg.“
„Man weiß nie“, sagte Flitz.
„Im Zoo gibt es flinke Schnäbel.“
Tatsächlich hüpfte gerade eine Amsel auf dem Zaun entlang.
Sie schaute sehr unschuldig.
Aber alle Streifenhörnchen wussten, dass Amseln manchmal nur so taten, als würden sie spazieren gehen.
Kurz darauf kam Tierpflegerin Anna den Weg entlang.
Sie trug einen kleinen Eimer.
Darin lagen Apfelstücke, Möhrenstreifen, Körner und ein paar winzige Nussstückchen.
Nussi legte beide Pfötchen auf ihr Herz.
„Heute ist ein Festtag“, flüsterte sie.
Anna lächelte.
„Guten Morgen, ihr drei kleinen Wirbelwinde“, sagte sie.
Dann verteilte sie das Frühstück im Gehege.
Ein bisschen auf dem Stein.
Ein bisschen in einer Holzrinne.
Ein bisschen zwischen den Wurzeln.
„Damit ihr suchen müsst“, sagte Anna.
„Suchen macht schlau.“
Flitz war sofort unterwegs.
Er sauste zur Holzrinne.
Dann zum Stein.
Dann wieder zurück.
„Ich habe etwas gefunden!“, rief er mit vollen Backen.
Pünktchen suchte sorgfältig zwischen den Wurzeln.
Sie fand ein Apfelstück.
Dann noch ein Körnchen, das so klein war, dass Flitz dreimal daran vorbeigerannt war.
Nussi saß auf dem Stein und hielt ein Möhrenstück in den Pfoten.
Sie biss langsam hinein.
„Man sollte Frühstück nicht hetzen“, sagte sie.
„Frühstück ist ein freundlicher Anfang.“
Pünktchen nickte.
„Das klingt schön.“
Flitz stopfte sich ein Nussstückchen in die Backe.
„Ein freundlicher Anfang kann trotzdem schnell sein.“
Die drei kicherten.
Nach dem Frühstück putzten sie sich gründlich.
Pünktchen strich über ihre Schnurrhaare.
Flitz kämmte mit den Pfoten seinen buschigen Schwanz.
Nussi prüfte, ob noch irgendwo ein Krümel versteckt war.
Natürlich fand sie einen.
Natürlich aß sie ihn.
Dann wurde es lebendiger im Zoo.
Von weitem hörten sie Stimmen.
Schritte näherten sich.
Kinder lachten.
Ein Kinderwagen rollte über den Weg.
Die ersten Besucher waren da.
Pünktchen kletterte auf einen Ast.
Flitz stellte sich auf einen Baumstumpf.
Nussi setzte sich auf ihren Lieblingsstein.
„Jetzt kommen sie“, flüsterte Pünktchen.
Eine kleine Familie blieb vor dem Gehege stehen.
Ein Mädchen mit roter Jacke zeigte aufgeregt mit dem Finger.
„Mama, guck mal! Die sind ja winzig!“
Pünktchen machte sich ein bisschen größer.
Flitz streckte die Brust heraus.
Nussi hob würdevoll ein Pfötchen.
Das Mädchen lachte.
„Das da winkt!“
Nussi schaute zu Pünktchen.
„Ich glaube, sie meint mich.“
Pünktchen nickte ernst.
„Dann wink lieber noch einmal.“
Also hob Nussi wieder ihr Pfötchen.
Ganz langsam.
Das Mädchen strahlte.
„Hallo, kleines Hörnchen.“
Jetzt wollte Flitz auch etwas zeigen.
Er rannte über einen Ast.
Sprang auf den Baumstumpf.
Drehte sich einmal um.
Und landete direkt neben Pünktchen.
„Tada!“, rief er.
Die Menschen konnten ihn natürlich nicht verstehen.
Aber das Mädchen klatschte trotzdem in die Hände.
„Das war schnell!“
Flitz verbeugte sich.
Pünktchen schüttelte den Kopf.
„Du bist ein Angeber.“
„Nein“, sagte Flitz.
„Ich bin ein Frühstückskünstler mit Bewegung.“
Nussi kicherte so sehr, dass ihr Schwanz wackelte.
Immer mehr Besucher kamen vorbei.
Ein Junge erzählte seinem Opa, dass Streifenhörnchen bestimmt geheime Tunnel bauen.
Eine Oma sagte, Nussi sehe aus, als hätte sie gerade Kuchen gegessen.
Nussi schaute an sich herunter.
„Kuchen wäre auch eine gute Idee.“
Pünktchen stupste sie an.
„Du hast gerade gefrühstückt.“
„Ja“, sagte Nussi.
„Aber Kuchen ist kein Frühstück.“
„Kuchen ist Kuchen.“
Da mussten alle drei lachen.
Später wurde es wieder ruhiger.
Die Sonne stand höher.
Die Blätter warfen kleine Schatten auf den Boden.
Pünktchen saß neben Flitz auf einem Ast.
Nussi lag halb zusammengerollt auf ihrem warmen Stein.
„Ich mag Besuchertage“, sagte Pünktchen.
„Ich auch“, sagte Flitz.
„Dann kann ich zeigen, wie schnell ich bin.“
Nussi gähnte.
„Und ich kann zeigen, wie gemütlich man sitzen kann.“
Pünktchen sah zum Weg.
Gerade blieb wieder ein Kind stehen und lächelte.
„Vielleicht freuen sich die Menschen genauso über uns wie wir uns über sie.“
Flitz wurde still.
Das kam selten vor.
Dann nickte er.
„Vielleicht nehmen sie ein kleines bisschen Zoo-Glück mit nach Hause.“
Nussi legte den Kopf auf ihre Pfötchen.
„Und wir behalten ein kleines bisschen Besucherfreude hier.“
Am Abend wurde der Kölner Zoo langsam leiser.
Die Wege wurden leerer.
Die Sonne färbte den Himmel weich und golden.
Pünktchen, Flitz und Nussi kuschelten sich in ihre kleine Schlafhöhle.
Draußen raschelten die Blätter.
Das klang warm und gemütlich.
„Morgen gibt es wieder Frühstück“, murmelte Nussi.
„Und wieder Besucher“, flüsterte Pünktchen.
Flitz gähnte.
„Dann übe ich einen neuen Sprung.“
Nussi schloss die Augen.
„Üb leise.“
Pünktchen lächelte.
Dann wurde es still.
Ganz still.
Nur irgendwo im Kölner Zoo rief noch ein Nachtvogel.
Und in der kleinen Schlafhöhle träumten drei Streifenhörnchen von Apfelstückchen, Sonnenflecken und Kindern, die sich über sie freuten.
Denn manchmal beginnt ein wunderbarer Tag mit einem kleinen Frühstück.
Mit neugierigen Augen.
Und mit dem schönen Gefühl, gesehen zu werden.

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Wir wünschen dir ganz viel Spaß beim Lesen oder Anhören.
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